Kommentar: Viele Gipfel, viel Geld – nur immer noch keine Idee

Meinung zum Autogipfel - noch immer keine Idee

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Na, hübsch die schönen Sprüche der Politik geglaubt und brav ein Elektroauto gekauft? Von wegen Umsteuern, Klimaschutz, Fridays for Future und so – ein bisschen wenigstens? Ach, bloß wegen der Förderung. Tja, leider reingefallen. Zu früh gut gemeint mit Mutter Erde. Künftig gibt’s für Stromer das Anderthalbfache an staatlicher Kohle. Kommt davon, wenn man auf Kanzlerin und Minister hört.

Es ist eben das grundlegende Problem der Großen Koalition: Für nichts hat sie einen Plan, geschweige denn eine Idee. Außer vielleicht für den eigenen Machterhalt. Die Außenpolitik: ein dilettantisches Durcheinander. Die Rentenpolitik: ein erbärmlicher Eiertanz. Die Energiewende: ein jämmerliches Gewürge. Erst sollte es überhaupt keine Förderung für Elektroautos geben, dann kam sie am Ende doch – jetzt wird sie sogar noch erhöht, gilt fünf Jahre länger, und die Deckelung für protzige Luxus-SUV fällt auch weg.

Es scheint Gefahr im Verzug. Denn wann immer die deutsche Regierung zahlt – dann aus Angst. Im Regelfall aus Angst vor der AfD. Schließlich sollen Kohlekumpel möglichst nicht in Scharen die Rechten wählen, Almosen-Rentner bitteschön auch nicht und um Gottes Willen nicht frustrierte Dieselfahrer. Da mag die schwarze Null noch so sehr stehen wie eine Eins – das bisschen Schüttgeld sehen sie in Berlin dann doch als den deutlich niedrigeren Preis an.

Angela Merkel wird den Tag schon mehrfach verflucht haben, an dem sie ihren Spruch von der Million E-Autos bis 2020 aufgesagt hat. Sehr großzügig gerechnet surrt aktuell gerade mal ein Fünftel davon auf deutschen Straßen. Tendenz: nicht wirklich stark steigend. Daran haben auch zig vollmundig angekündigte Auto-Gipfel bislang nichts ändern können. Noch immer sind E-Mobile sehr viel teurer und deutlich weniger praktisch als vergleichbare Verbrenner. Und nur umweltfreundlich sind Akku-Autos eben auch nicht. Schon gar nicht, wenn sie in Massen daherkämen.

Auch wenn der Bundeswirtschaftsminister ein bisschen für Erdgas und Wasserstoff werben darf – die GroKo hat sich auf das E-Auto festgelegt. Zu früh und zu einseitig. Das zu ahnen, muss man keine seherischen Fähigkeiten haben. Oder warum zelebriert VW den Produktionsstart des ID.3 zwar als Zeitenwende, lässt den Premieren-Stromer auf seiner Homepage aber noch als seriennahe Studie firmieren?

Umso wichtiger wäre es, dass mal jemand von politischem Gewicht erklärt, wie genau die Fahrt Richtung Zukunft aussehen soll, was genau sie für unseren Alltag bedeutet und vor allem, was sie uns kostet. Auch und gerade Menschen auf dem flachen Land, für die es weder einen gut ausgebauten Nahverkehr gibt noch ein akzeptables Netz an Strom-Tankstellen.

Immerhin hat Angela Merkel angemahnt, auch die Industrie müsse sich beteiligen an den erwünschten eine Million Ladepunkten bis zum Jahr 2030. Unter der Million geht es bei der Kanzlerin in Sachen Elektromobilität offenbar nicht. Und warum eigentlich beteiligen? Sprit wird in Deutschland doch auch nicht vom Staat vertickt. Muss man Energieunternehmen und Mineralölkonzerne halt mal in die Pflicht nehmen – Lobby-Gemurre hin oder her. Hieß Politik nicht immer auch gestalten? Und zwar ausdrücklich klein geschrieben. Das andere haben wir leider zu Genüge.

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5 Antworten

  1. Moin. Prima. Endlich der ID.3. Da kann man auch weiter mit dem SUV mal eben um die Ecke Brötchen holen – ohne schlechtes Gewissen. Wiegt der große ID.3 doch glatt 1,9 to. … und eine Hängerkupplung gibt es nicht. Das soll alles richten? Merkel go home, und nimm die Hohlköpfe aus der Politik mt.
    Gruß Jürgen

  2. Planlos in Berlin. Merkel machte vor 9(!) Jahren den Bock zum Gärtner, als sie ein Gremium von Auto-Lobbyisten (SAP war wohl nur zur Abschwächung dieses Eindrucks dabei) damit beauftragte, den Weg zur E-Mobilität zu weisen. Für kleine, bis dahin hoch-innovative Firmen war das die Exikution auf dem elektrischen Stuhl, auch wenn viele das noch nicht ahnten. Mit einem Schlag war die Luft raus – warum sollte eine Bank noch Kredite geben, wenn die Großen Marken den Markt demnächst bestimmen würden. Erfolgreicher Exit durch Aufkauf von BMW, Daimler, VW oder gar Opel? Doch nicht in Deutschland, im Land der Förderung der Großindustrie! Die Folge sind mutlose Konzepte, wie Ladestationen, die bevorzugt von schwerfälligen Energieversorgern aufgestellt werden, in die Wüste geschickte E-Pioniere, die mit ihrem gutgemeinten Prototypen keine Ladestationen in Tiefgaragen durchsetzen konnten, geistlose Monster-SUVs deren Auspuffrohre durch Batterien kaschiert werden und ein unterschätzter Newcommer aus den USA, der dem so ernsthaften deutschen Ingenieur frech die Nase zeigt. Ein Glück nur, dass die Chinesen offenbar auch nur Großindustrie können. Eine dritte Chance bekommen wir mit Sicherheit nicht

  3. Mitte des letzten Jahrzehnts gab es den Bildungsgipfel. Als ich auf dem Familienfoto alle lachenden und scherzkeksenden Länderchefs um die Kanzlerin versammelt sah, fehlten noch schöne Sprechblasen wie “Gipfel gapfel gupfel…”. Außer Sprüche und programmatischer Schaumschlägerei als Beschäftigungstherapie für Schulkonferenzen kam nichts dabei herum.
    Neuer Lexikonartikel “Gipfel”: 1. Bergspitze (geogr.); 2. Kurzform für Kreißen eines Berges mit dem Ergebnis heißer Luft oder auch der Geburt einer Maus (polit., wirtschaftl.)

  4. Welche BEVs hätte man denn kaufen und zulassen können? Welche Alternativen zu BEVs gibt es denn, wenn man den Wirkungsgrad mit einberechnet? Und was hat das mit der AfD zu tun?
    Schlau daherkommentieren ist mal wieder leichter, als Zusammenhänge zu erkennen.
    Massive Industriezuschüsse gab es in vielerlei Form schon vor der AfD, dass man BEVs nicht über Gebühr stützt bevor die eigene Industrie liefern kann, verwundert auch nicht und das Hoffen auf eine wasserstofforientierte “Technologieoffenheit” ist im Bereich des Privat-PKW-Marktes einfach blanke Verschwendung von Ressourcen.

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