Freudenberg setzt Schwerpunkt auf Schwerlast-Bereich; E-Autos spielen nur untergeordnete Rolle

Freudenberg setzt Schwerpunkt im Schwerlast-Bereich

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Nils Martens, Leiter der Division Battery & Fuel Cell Systems, hat in einem Interview, auf der Webseite von Freudenberg Sealing Technologies (FST), Informationen über den Transformationsprozess bei der Abkehr vom Verbrennungsmotor hin zu Alternativen Antrieben offenbart. Informationen, welche wir ein wenig genauer betrachten wollen. Gerade wenn eine Aussage wie “Die Elektrifizierung kommt schneller als gedacht!” von Martens im Raum steht.

Keine eigene Batteriefertigung für PKW – Freudenberg als Anbieter kompletter Systemlösung im Schwerlast-Bereich

Zum Einstieg räumt Martens mit dem Gerücht auf, dass Freudenberg in die Batterie-Produktion einsteigen wird. Zumindest für den PKW-Bereich wird dies nicht der Fall sein. “Die Division Battery & Fuel Cell Systems fokussiert sich ausschließlich auf Heavy Duty, das heißt LKW und Lieferfahrzeuge, Busse, Bahnen, Schiffe sowie Minen- und Baufahrzeuge”. In diesem Segment allerdings zeigt sich Freudenberg auf einer breiten Basis aufgestellt und bietet komplette Systemlösungen wie Batteriesysteme, Brennstoffzellensysteme oder integrierte Hybridantriebssysteme, die die Vorzüge von Batterie und Brennstoffzelle miteinander kombinieren, an.

Laut Martens profitiert man hierbei vor allem von den hauseigenen Freudenberg-Komponenten als auch der Wertschöpfungstiefe in der eigenen Produktion. “Wer sonst kann vom Separator über die Zelle bis hin zum Batteriesystem beziehungsweise von der Membran über die Membran-Elektrodeneinheit (MEA) und den Stack bis hin zum Brennstoffzellensystem” abbilden, fragt Martens nachvollziehbarerweise.

Ebenfalls sei neben der Entwicklung auch das Design und Entwicklung der notwendigen Elektronik und Software kein Problem. Im PKW-Bereich wird man allerdings keine kompletten Systeme anbieten, erhofft sich durch die Erfahrungen aus Heavy-Duty-Anwendungen entsprechende Erkenntnisse für zielgerichtet Neuentwicklungen im Bereich der PKW.

Schwerlast-Bereich nicht nur eine technische Herausforderung, sondern auch ein lukrativer Markt

Gefragt, warum man sich gerade für den Heavy-Duty-Bereich entschieden hat, beantwortet Martens wie folgt:

“Stellen Sie sich ganz einfach vor, wie viele Stunden ein Lieferwagen eines Zustellbetriebs Tag für Tag im Einsatz ist. Dessen Batterie muss täglich aufs Neue zu 100 Prozent aufladen und auch nach zehn Jahren ihren Dienst wie am ersten Tag verrichten. Oder denken Sie daran, welche buchstäblich schwergewichtigen Aufgaben Antriebssysteme in Bussen, Bahnen, Schiffen, schweren Landmaschinen und Baufahrzeugen zu stemmen haben.”

Nur um dann zu erläutern, dass die “technischen Anforderungen an Leistungskraft und dauerhafte Zuverlässigkeit von Batterie und Brennstoffzelle” im Heavy-Duty-Bereich nochmals deutlich höher als im PKW-Bereich liegt. Freudenberg seinerseits habe die entsprechende Technologie- und Innovationskompetenz, um in dieser herausfordernder Marktnische mit höchsten Anforderungen zu bestehen. Auch scheint der geringere Wettbewerbsdruck ein überzeugendes Argument für den verstärkten Einstieg in diesem Bereich gewesen zu sein. Hierzu gab Martens zu verstehen, dass sich das Wachstum der Division 2019 deutlich im dreistelligen Prozentbereich bewegen wird.

Begründet wird dieser Erfolg von seiner Seite mit dem Handlungsdruck des Marktes, welcher durch weltweite Regulierung und gleichzeitig fallende Total-Cost-of-Ownership für elektrifizierte Anwendungen getrieben wird. Der Güter- und Personentransport kommt aus eben diesem Grund nicht um die Elektrifizierung herum. “Selbst in der Schifffahrt steigt die Anzahl der „Zero Emission“-Zonen rasant an, in die Schiffe, die rein auf Verbrennungsmotoren setzen, nicht mehr einfahren dürfen”, so Martens weiter.

XALT Energy-Beteiligung als wichtiger Baustein der eigenen Strategie

Bereits im vergangenen Frühjahr investierte die Freudenberg Gruppe, in Form einer Minderheitsbeteiligung, in das US-amerikanischen Unternehmen XALT Energy. Das Unternehmen mit Sitz in Midland (Michigan) produziert großformatige Lithium-Ionen-Batteriezellen, -Module und -Systeme für den Einsatz in schweren Nutzfahrzeugen, für Stadt- und Transitbusse, für die Marine-Industrie sowie für andere, industrielle Anwendungen. 2019  erhöhte die Unternehmensgruppe die Beteiligung auf 50,1 Prozent, mit der Option auf Komplettübernahme.

“Die Lithium-Ionen-Batterien von XALT Energy sind für ihre Vollzyklen-Stabilität bei gleichzeitig marktführender Energiedichte bekannt. Das heißt vereinfacht ausgedrückt, es schadet ihrer Leistung und Lebensdauer nicht, immer wieder vollständig zu 100 Prozent geladen und entladen zu werden. Zudem lassen sich XALT-Batteriesysteme modular passgenau für jede Anwendung individuell konfigurieren.” – Nils Martens, Leiter der Division Battery & Fuel Cell Systems bei Freudenberg

Auch bei XALT profitiere man von einer tiefen Wertschöpfung, hatte Martens bereits in Bezug auf reine Freudenberg-Produkte erwähnt. XALT hält angefangen von den Komponenten einer einzelnen Batteriezelle bis hin zum kompletten Batteriesystem alles in der eigenen Hand. Hinzu kommen Elektronik-, Software- und After-Sales-Angebote wie Installation, Schulungen und Wartung. Dabei wird laut Martens in diesem Zusammenhang das Thema Telematik, die Fernüberwachung der Batterie, immer relevanter.

Aus deren Daten lassen sich beispielsweise Warnungen oder Handlungsempfehlungen für das Fahrverhalten des Fahrzeuglenkers ableiten. “Solche Serviceleistungen und Online-Dienste werden verstärkt Bestandteil unseres Geschäftsmodells”, wie Martens zu verstehen gibt.

Brennstoffzelle in Kombination mit Batterien als festen Bestandteil der Mobilität der Zukunft.

“Wir sehen die Brennstoffzelle in Kombination mit Batterien als festen Bestandteil der Mobilität der Zukunft. In integrierten Systemen puffern Batterien kurzfristige Mehrbedarfe, zum Beispiel beim Beschleunigen, die Grundlast trägt die Brennstoffzelle”, so erläutert Martens die Bedeutung der Brennstoffzelle für Freudenberg. Durch die Akquisition von Elcore habe man sich zusätzliches wertvolles Fachwissen erworben. Man werde künftig eigene Brennstoffzellen-Stacks auf dem Markt bringen.

Quelle: Freudenberg – Von Batterien und Brennstoffzellen

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Eine Antwort

  1. Dass der Schwerverkehr, die Landwirtschaft mit ihren Mähdreschern und Traktoren um 300 PS, sowie auch die Schiffe,
    sind nicht so einfach zu elektrifiizieren wie ein PKW. Vorteil bei denen, man kann ohne Probleme 700 Kg und noch schwerere Batterien platzieren. Solche müssten mit Hubstappler einfach und schnell ausgetauscht werden können. So wäre auch rund um die Uhr Einsatz möglich.

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