Elektroautos mit Anhängerkupplung: Oft gewünscht, kaum gesehen

Elektroautos mit Anhängerkupplung - aktuell noch die Ausnahme

Copyright Abbildung(en): Audi AG

Elektroautos mit Anhängerkupplung scheinen derzeit noch seltener zu finden zu sein als Einhörner. Zumindest könnte man diese Gedankengänge haben, wenn man auf dem Markt nach entsprechenden Angeboten sucht.

Des Öfteren erreichen uns Mails und Nachrichten aus denen hervorgeht, dass gerade Elektroautos mit Anhängerkupplung gerne gesehen wären. Durchaus nachvollziehbar. Wobei man hierbei Bedenken sollte, dass es nicht immer um Schwerlasten geht, welche man damit befördern möchte, sondern eventuell nur ein wenig Laub oder Grünschnitt, der von A nach B gebracht werden muss. Die Anforderungen erscheinen somit im Detail relativ gering.

Elektroauto mit Anhängerkupplung: das Zusammenspiel im Alltag

Auszugsweise möchte ich nachfolgend aus einer der Mails erreichen, welche uns in den letzten Tagen erreicht hat. Diese bringt Elektroautos mit Anhänger mit Eigenheimbesitzer in Verbindung. Da diese sowohl die Möglichkeit haben eine Wallbox am eigenen Haus zu befestigen – Unabhängigkeit von Ladeinfrastruktur – , als auch immer Mal wieder kleinere Lasten in und ums Haus zu transportieren haben.

„Aber genau dieser potenzielle Käuferkreis wird ausgegrenzt, weil es für E-Autos praktisch keine Anhängerkupplungen gibt. Die Anzahl der betroffenen Leute ist aus meiner Sicht nicht unerheblich. Ich wohne in einem Dorf und wenn ich mich in meiner Nachbarschaft so umsehe, dürften es mindestens 10 Prozent der Haushalte sein, die einen kleinen Anhänger besitzen.“ Der Schreiber der Mail betont hierbei allerdings bewusst, dass es nicht darum geht einen Wohnwagen oder andere schwere Lasten zu ziehen. „750 Kilogramm Anhängelast wären in 95% der Fälle vollkommen ausreichend.“

Es scheint daher nicht nachvollziehbar, „warum sich die Hersteller so sehr gegen Anhängerkupplungen sträuben.“ Man könne sich zwar mit der Entscheidung anfreunden, dass „bei einer kompletten Neuentwicklung, wie dem VW ID.3, die Rahmenkonstruktion für den Anbau einer Hängerkupplung nicht ausgelegt ist“, was dann zumindest nachvollziehbar wäre.

Aber gerade bei E-Autos, welche eher als Umbauten bestehender Serienmodelle mit Verbrennermotoren durchgehen, zum Beispiel dem e-Golf von Volkswagen, gibt es keine Anhängerkupplungen. Denn selbst bei diesem wird der „Einbau einer Hängerkupplung, obwohl dies technisch machbar und auch günstig verfügbar wäre.“

Doch warum ist das so? Warum gibt es kaum Elektroautos mit Anhänger? Dazu ein paar mehr Informationen unsererseits.

Potentielle Reichweite als größter Feind der Anhängerkupplung an Elektroautos

Ausreichend Drehmoment, um den Anhänger vom Fleck zu bekommen haben E-Autos durch ihre Motoren alle Mal. Außerdem muss das Fahrzeug selbst ein gewisses Gewicht besitzen, damit der Anhänger bei einem Bremsmanöver nicht zu stark anschiebt. Vereinfacht ausgedrückt bestimmen diese Faktoren die sogenannte Anhängelast von Autos. Manche Modelle ziehen somit nur rund 500 Kilogramm, andere schaffen mehr als 1,8 Tonnen.

Vielmehr wird die Reichweite von E-Autos als Argument gegen E-Autos aufgeführt. Wer bereits einen Verbrenner mit Anhänger gefahren ist, der weiß, dass der Verbrauch beim Fahren entsprechend ansteigt. Gleiches gilt natürlich auch beim E-Auto.

Bei Elektroautos mit Anhänger gilt allerdings zu bedenken, dass diese eh schon mit der Reichweite zu kämpfen haben. Nun könnte man aufführen  „das sollte dann mein Problem sein und nicht das des Herstellers.“ So einfach ist es dann aber doch nicht. Oder zumindest reicht dieses Argument den Herstellern derzeit noch nicht aus.

Elektroautos kommen durchaus mit Anhängern klar

Festhalten kann man, dass E-Autos durchaus mit Anhängern klar kommen würden. Wenn diese denn den entsprechenden Anforderungen gerecht werden: ausreichend Leistung, dafür ausgelegtes Fahrwerk sowie das passende, leistungsfähige Antriebssystem. Disqualifiziert haben sich hierbei entsprechende E-Sportwagen relativ schnell. Elektro-SUV oder E-Offroader hingegen sind durchaus in der Lage einen Anhänger zu ziehen.

Selbst  Limousinen und Kompaktfahrzeuge kommen mit geringeren Anhängelasten klar. Somit wäre auch mit diesen ein Ziehen von Anhängern mit Elektroauto durchaus denkbar. Vorausgesetzt eine Vorrichtung für die Anhängerkupplung ist vorhanden. Doch bei welchen E-Autos ist dies bisher der Fall?

Elektroautos mit Anhängerkupplung. Diese Modelle gibt’s am Markt.

Stand heute ist die Auswahl von Elektrofahrzeugen mit Anhängerkupplung am Markt eher mau. Aber, dass „eine Anhängerkupplung auch bei relativ kleiner Motorleistung und geringer Akku-Kapazität durchaus machbar ist, beweisen der Nissan e-NV200 und der neue Sono Motors Sion, die beide mit Anhängerkupplung (optional) daherkommen.

Bei beiden Modellen kommt leider wieder ein zu kleiner Akku zum Einsatz, welcher potentielle Fahrer von E-Autos mit Anhänger, vor das Problem der Reichweite stellt. Doch was gibt es es ansonsten noch?

Künftig dürfen sich auch Käufer des Tesla Model 3 und Model Y über eine Anhängervorrichtung freuen. Denn diese dürfen zukünftig offiziell Anhänger oder Wohnwagen schleppen. Bei der Premiere des Tesla Model Y hat die schwedische Website Elbilen die Gelegenheit genutzt, Tesla-Chefdesigner Franz von Holzhausen nach der Verfügbarkeit einer Anhängevorrichtung zu fragen – dieser habe kurz und knapp mit “Ja” geantwortet.

Auch für das Model 3 gibt es mittlerweile eine entsprechende Lösung. Für 1.060,00 Euro kann man eine Anhängerkuppelung mit ordern und bekommt hierfür eine Zug/Zuglast des Fahrzeugs von 910 Kilogramm. Stand heute müssen Fahrer eines Model S auf Zubehör von Fremdanbietern zurückgreifen. Stand heute gibt es bereits das Tesla Model X mit einer Anhängerkupplung (max. Anhängelast 2.250 kg).

Vonseiten Audi gibt es mit dem e-tron nicht nur das erste Elektroauto des Unternehmens, sondern auch ein E-Auto mit Anhängerkupplung. Der e-tron bringt es auf eine maximale Anhängelast von 1.800 kg. Der I-PACE von Jaguar kann ebenfalls einen Anhänger ziehen, bringt es hierbei auf eine Anhängelast von 750 Kilogramm.

Im Schnelldurchlauf nochmals aufgeführt können folgende Elektroautos mit einer Anhängerkupplung ausgestattet werden, beziehungsweise kommen ab Werk mit einer solchen daher:

  • Tesla Model 3
  • Tesla Model Y
  • Tesla Model S
  • Tesla Model X
  • Audi e-tron
  • Jaguar I-PACE
  • Sono Motors SION
  • Nissan e-NV200
  • Renault Twizy
  • Renault ZOE
  • KIA Soul EV

 

Über den Autor

Sebastian Henßler hat Elektroauto-News.net im Juni 2016 übernommen und veröffentlicht seitdem interessante Nachrichten und Hintergrundberichte rund um die Elektromobilität. Vor allem stehen hierbei batterieelektrische PKW im Fokus, aber auch andere Alternative Antriebe werden betrachtet.

Newsletter

Erhalte jeden Montag, Mittwoch und Freitag aktuelle Themen wie „Elektroautos mit Anhängerkupplung: Oft gewünscht, kaum gesehen“ sowie die neusten Informationen aus der Welt der Elektromobilität kostenfrei direkt ins eigene Postfach. Kuratiert aus einer Vielzahl von Webseiten und Blogs.
Ja, ich möchte den gratis E-Mail-Newsletter von Elektroauto-News.net abonnieren. Die Datenschutzerklärung habe ich gelesen. Die Einwilligung zum Versand des Newsletters kann jederzeit widerrufen werden. Hierzu reicht es auf den Abmeldelink zu klicken, welcher sich in jedem Newsletter befindet.

Fakten & MeinungenDiskutiere mit der E-Community

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
36 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

Ich fahre einen Hyundai Ioniq elektric mit 28 KW Batterie. So weit mir bekannt ist kann man auch hier eine Anhängekupplung nachrüsten! Siehe Videos von „Elektric Dave“ Anhängerbetrieb!

Kia SOUL steht in der Auflistung, für diesen gibt es aber ab Werk keine AHK, auch nicht für den neuen E-Soul.

Dann kann ich wohl noch lange Diesel fahren – ich ziehe etliche Male im Jahr mit Pferdeanhänger los (in der Saison etwa alle 3 Wochen) und durchaus Strecken jenseits der 300 km, Anhänger inkl. Pony um 1200 kg. Und nein, ich werde nicht mit Pferd im Anhänger irgendwo am Rasthof stehen und 1 Stunde lang Strom ziehen. Also nix ist mit E-Auto. Der arme Caddy muss wohl noch lange halten.

Hallo da hilft nur gehe zu deinem Händler und suche dein e-Auto . und kurz vor der unterschrift unter den Kaufvertrag einen Rückzieher machen ,da kein anhängerbetrieb möglich ist. Tut mir aber leid ich hätte dieses Auto so gerne gekauft. und Tschüüüs

Hab irgendwo gelesen, dass der Grund für „kein Anhänger für die meisten E-Autos“ darin liegt, dass das zusätzliche Gewicht eine Überlast beim rekupieren erzeugt. Woanders war zu lesen, dass die E-Motoren die Dauerbelastung nicht verkraften. Ich überlege, ob ich mir für den Weg zum Baumarkt nicht einen Fahrradanhänger von hinterher hole, ist auch gut für die CO2-Bilanz. 🙂

Wir fahren 2 Peugeot Ions und der A6 steht nur rum für die gelegentliche Hängerfahrt. Über 100km fahren wir ohnehin nie mit Anhänger, der Usecase „50km zum Baumarkt“ passt für uns ganz gut (oder auch mal mit Pferdehänger). Daher erwägen wir den Kauf eines e-tron 50, die 300km ohne Hänger reichen uns völlig, auch wenns mit nur noch 100km mit sind, dafür können wir einen Ion und den A6 verkaufen. Zwar eigentlich zu teuer für unsere geringe Fahrleistung aber es gibt ja nix billigeres das 1800kg zieht, die einzige Alternative Tesla X kostet 30% mehr.

Hallo, also bei Tesla und Audi dürfte es nicht so ein Problem darstellen. Das Model X hat AHK ja sogar serienmäßig mit 2250kg wenn ich mich nicht täusche und Model 3 und Y gibts auch optional. Audi Etron hat auch 1800kg Zuglast. Wirds vielleicht bei mir mal sobald sie in die 40t Euro Region kommen. Weiß zufällig wer wie viel der Nissan Env 200 und das Tesla Model S prinzipiell ziehen darf?
Zum Verbrenner, ich konnte bei meinen 750kg Hänger weder bei meinem starken Saugbenziner noch bei meinem schwachen Turbodiesel signifikanten Mehrverbrauch feststellen, weil dafür fährt man dann eh langsamer auf der Autobahn. Glaub auch kaum, dass es beim Elektroauto 50% mehr Verbrauch werden, wenn ich dann mal eines mit Ahk habe.

MfG

David

Hallo, für das Model S gibt es eine Hängerkupplung zum nachrüsten incl. Gutachten für 1850kg Anhängelast, 75kg Stützlast. Ich fahre seit ca. 25 Jahren Eletroautos und habe mehrfach AHK’s nachgerüstet allerdings nur sehr wenig Last eingetragen bekommen (500kg) halt die sichere Seite.
Von der Technik im E-Auto ist ganz einfach, das Model S P85D z.B. hat eine Dauerleistung von 60kW und 500kW Spitze die 60 reichen für die Strecke und die 500 räumen den Wohnwagen auf also das ist nicht das Problem. Im Moment fahre ich mit Outlander und brauche mit 1,5t WW ca. 9 Liter Benzin auf Langstrecke also nicht soooo viel mehr. Ich würde ohne nachzudenken mit dem Tesla in den Urlaub fahren mit WW hinten dran.
Gruß
Jürgen

Diese News könnten dich auch interessieren:

WWU: Gute Chancen für emissionsfreien Lkw-Verkehr
China-Premium-E-Auto Zeekr 001 soll 2023 in Europa debütieren
Toyota Festkörperbatterie zunächst in Hybriden ab 2025

Deine Anmeldung zum Newsletter:
Ein letzter Schritt fehlt noch.

Vielen Dank für deine Anmeldung zum Newsletter von Elektroauto-News. Du erhältst in Kürze eine E-Mail, in der sich ein Link zur Freischaltung deiner E-Mail-Adresse befindet. Erst durch die Bestätigung des Links dürfen wir deine E-Mail-Adresse zum Versand unseres Newsletter freischalten (Double-Opt-In).