Die Zukunft von Ford aus Sicht der Topmanager

Ford sieht Zukunft elektrisch

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Die Kollegen der britischen Autocar sind zum Ford-Hauptquartier in Dearborn, USA, gereist, um mit einigen hochrangigen Managern des Unternehmens zu sprechen und detaillierte Einblicke in die Zukunft der Automarke zu gewinnen.

Darren Palmer, „Mr. Electric Vehicle“ bei Ford, erinnere sich noch gut an den Moment, der ihn von Elektroautos überzeugte: „Ich konnte einfach nicht glauben, wie gut diese neuen Autos waren. Sie könnten Dinge tun, die Sie in einem Verbrenner niemals tun würden. Sie waren einfach besser.“ Palmer, ein Engländer und seit 28 Jahren bei Ford, findet Elektroautos „sexy und emotional.“

Und so kam es, dass Ford vor gut 18 Monaten mitteilte, an die zehn Milliarden Euro in die Entwicklung von Elektroautos zu investieren. Unter anderem dafür, um den Modularen Elektrobaukasten MEB von Volkswagen nutzen zu dürfen. Der Elektro-Erstling von Ford soll ein „Mustang-basierter Crossover“ werden und geistert als Mach E durch die Autowelt. Ebenfalls geplant sei ein vollelektrischer F150-Pick-up sowie ein E-Transit-Transporter.

„Die größte Veränderung und Chance in der Autoindustrie seit 30 Jahren“

Wir elektrifizieren zuerst unsere größten Ikonen“, sagt Palmer, „aber wir haben noch mehr. Und wir werden weiter daran arbeiten.“ Geplant ist auch eine kleine Handvoll Plug-in-Hybride. Die Entscheidung, in den USA keine Limousinen mehr zu bauen, und die Erkenntnis, dass neue Elektroautos mit Gewinn verkauft werden können, indem spannende Autos gebaut werden, die eng mit den bestehenden Ikonen verwandt sind, brachte eine neue Philosophie bei Ford mit sich, schreibt Autocar. „Wir haben sehr sorgfältig entschieden, wie wir auf dem Markt für Elektroautos agieren und dass jeder Stromer die Eigenschaften des Modells, auf dem er basiert, verbessern soll. Jeder musste extrem begehrt sein, aber zu einem erreichbaren Preis“, sagt Palmer. Ford wolle die Elektroauto-Technologie demokratisieren, sagt der Manager.

Weil die Reichweitenangst Erkenntnissen von Ford zufolge bei gut 500 Kilometern schwindet, wolle der Hersteller seine Elektroautos mit mindestens eben dieser Laufleistung je Vollladung ausstatten. Elektroautos seien „die größte Veränderung und Chance in der Autoindustrie seit 30 Jahren“, sagt er, „und wahrscheinlich noch viel länger“. Schließlich gehe es nicht nur um den Elektromotor, sondern auch um „Software, drahtlose Updates und die Tatsache, dass moderne Autos lernen und antizipieren können, was die Fahrerinnen und Fahrer wollen und somit deren Leben verbessern. Es ist eine völlig neue Art von Produkt. Diejenigen, die es ausprobiert haben, werden niemals zurückkehren wollen.“

In der Gegenwart die Zukunft erwirtschaften

Während die einen wie Palmer sich ihre Köpfe über die Zukunft zerbrechen, hat Fords Automobilpräsident Joe Hinrichs seine Augen auf die aktuellen Märkte, Produkte und Leistungen gerichtet. Es ist zwar sicher gut, sich eine fabelhafte Zukunft vorzustellen, aber das ist nur dann entspannt möglich, wenn der Markt von heute am Laufen gehalten wird. Das bedeutet: Gewinne zu machen und kurzfristige Verbesserungen vorzunehmen.

Die jüngsten Gewinnspannen in den USA waren stark, so Autocar, auch wenn sie in Europa und Südamerika durch die Kosten einer „grundlegenden Neugestaltung des Geschäfts“ belastet wurden. Er sieht eine Herausforderung im Marketing darin, Käufer – sowohl in den USA als auch in Europa – dazu zu bewegen, Fords wachsende Auswahl an Hybridautos als normale Modelle zu betrachten. „Der Prius hat den Standard gesetzt, indem er als eine andere Art von Fahrzeug vermarktet wurde“, sagt er. Jetzt gelte es jedoch, die Verbraucher dazu zu bringen, Hybridisierung als bewährte Technologie zu betrachten – nicht als wissenschaftliches Projekt, sondern als Fahrzeug, das mit einem effizienteren Antriebsstrang ausgestattet ist.

Auch der Euro-Chef spricht

Fords Top-Mann für Europa, Stuart Rowley, sagte, dass die Bedingungen in der Branche härter werden, auch weil die Elektrifizierung bevorsteht. „Wir brauchten eine andere Strategie, ein anderes Betriebsmodell.“ Ford werde trotz aller Herausforderungen „niemals ein Nischenspieler sein“, ist sich Rowley sicher. „Aber wir müssen schlauer werden. Welches Portfolio brauchen wir, um in der zweiten Hälfte der 2020er Jahre weiter zulegen zu können? Das ist es, was wir gerade planen.“

Teile dieses Plans sind bereits bekannt: Ford wird in den sechs Jahren nach 2023 auf der MEB-Plattform des neuen Partners VW 600.000 Elektroautos bauen.

„Der Typ mit seinem Namen auf den Radkappen“

Bill Ford kennt viele spezifische Ford-Geschichten, aber er gibt sie in Interviews nicht Preis. Nach 20 Jahren als Vorsitzender der Autofirma, die sein Urgroßvater vor 116 Jahren gründete, lernte der 62-Jährige längst, dass der wichtigste Job, den „der Typ mit seinem Namen auf den Radkappen“ erledigen kann jener ist, den Überblick zu behalten und das Unternehmen bei Bedarf in neue Richtungen zu lenken.

Das habe er früh angefangen, so Autocar: Kurz nach seinem Eintritt in das Unternehmen überraschte der Urenkel von Henry Ford und Harvey Firestone die Branchenkenner, indem er unter anderem die Erforschung von Biokraftstoff- und Wasserstoffmodellen förderte und unterstützte. In seinen eigenen Worten wurde er „ein bisschen als Ketzer gebrandmarkt“.

Momentan erlebe er „absolut die interessanteste Zeit in meinen 40 Jahren im Unternehmen. Ich wünschte nur, ich wäre wieder 20, wegen dem, was gerade passiert“, sagt Ford. „Manche Menschen sehen eine Art dystopische Zukunft, voll von selbstfahrenden Autos ohne menschlichen Input. Ich bevorzuge eine Ära der ultimativen Wahl. Wir werden noch lange in einer Art Doppelwelt leben, voller Autos und Lastwagen, so wie wir sie heute kennen, aber auch selbstfahrende Fahrzeuge werden gebaut. Irgendwann werden sich die Dinge komplett ändern.“

Als Teil seiner Rolle als Vordenker sieht Bill Ford es als wichtig an, andere Vordenker in das Unternehmen zu holen. Er fand und engagierte etwa den angesehenen Ex-Boeing-CEO Alan Mulally für eine Amtszeit von acht Jahren, aus der eine neue Unternehmens-Philosophie hervorging. Dies trug dazu bei, Ford als einziges Big Three-Unternehmen erfolgreich durch die globale Rezession von 2008-2010 zu führen.

Derzeit ist Bill Ford der Ansicht, dass sich Ford auf neue Antriebsstränge und flexible Plattformen konzentrieren sollte. Es sei nicht so wichtig, dass die Amerikaner immer noch überwiegend Lastwagen und große SUVs bevorzugen, mit ihrem hohen Gewicht und den drohenden Strafzahlungen. „Silhouetten können sich im Laufe der Zeit ändern“, sagt er. „Sie sind die einfachsten Teile. Unser Mustang-Sportwagen für 2020 zeigt bereits die Zukunft. Einige Leute denken, Elektrifizierung bedeutet keinen Fahrspaß – aber das könnte gar nicht weiter von der Wahrheit entfernt sein.“

„Wir denken, wir müssen jede der drei Hauptlösungen anbieten“

Die Entscheidung, welche der drei Hauptantriebsoptionen – Verbrenner, Hybrid und Elektroauto – in den kommenden Jahren überwiegen wird, stellt die derzeit klügsten Köpfe von Ford vor eine Herausforderung. „Wir denken, wir müssen jede der drei Hauptlösungen anbieten“, sagt Hau Thai-Tang, Fords Chefentwickler. „Zum Glück besitzt Ford alle Rechte an geistigem Eigentum. Wir haben unseren ersten Hybrid vor 30 Jahren gebaut.“ Ein wichtiger Grund, sich Optionen offen zu halten, ist laut Ford, dass die Politik der einzelnen Regierungen eine große Rolle bei der Einführung von Elektroautos spielt und die Gesetzgebung auf der ganzen Welt unterschiedlich ist.

Quelle: Autocar – Exclusive: the future of Ford, according to its bosses

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