BMW keine E-Autos für Europa

BMW: „Wir könnten jeder Person ein elektrifiziertes Fahrzeug liefern, aber sie werden es nicht kaufen.“

Copyright Abbildung(en): Ivan Kurmyshov / Shutterstock.com

BMW Entwicklungsleiter Klaus Fröhlich gab am Dienstag in München zu verstehen, dass es „keine Kundenwünschen für Elektroautos gibt. Keine. Es gibt regulatorische Anfragen für E-Autos, aber keine Kundenanfragen.“ Geht es nach ihm könnte man, wenn die Nachfrage/Anreiz da wäre, Europa überfluten und eine Millionen E-Autos verkaufen. „Aber die Europäer werden diese Dinge nicht kaufen“, betonte Fröhlich. Aus Sicht von BMW sind E-Fahrzeuge für China und Kalifornien interessant, ansonsten ist es besser auf Plug-In-Hybride mit entsprechender elektrischer Reichweite zu setzen.

BMW setzt auf Plug-In-Hybride als Fahrzeug erster Wahl

Fröhlich betonte im Gespräch, „dass der europäische Kunde nicht bereit ist, das Risiko für ein E-Auto einzugehen, weil die Infrastruktur nicht vorhanden ist“ und Informationen zum Wiederverkauf ebenfalls kaum vorhanden sind. Seine Einschätzung führt er auf eigene Erfahrungen zurück. So habe man selbst Elektroautos – bisher als reines E-Auto der Marke BMW nur den BMW i3 – auf die Straße gebracht, aber sie werden nicht gekauft.

BMW geht davon aus, dass für Kunden in Europa, die zögern E-Autos zu kaufen Plug-In-Hybride die bessere Option sind. Die PHEV basieren auf der gleichen Architektur wie die E-Fahrzeuge, so dass die Batterie, im Boden verbaut, zusätzliche Reichweite durch zusätzliche Batteriemodule leisten kann. Interessant ist auch Fröhlichs Betrachtung des US-Automarktes im Vergleich zum europäischen Automarkt:

„In den USA können sie verschiedene Autos für verschiedene Zwecke haben, wie Pickups und SUVs und kleinere Autos, aber oft haben die Haushalte in Europa nur ein Auto, so dass sie sich nur ungern auf ein E-Auto verlassen. Ein PHEV gibt ihnen volle Freiheit und 80 km Reichweite.“ – Klaus Fröhlich, BMW Entwicklungsleiter

BMW im hausinternen Widerspruch hinsichtlich E-Mobilität

Ganz schlüssig scheinen diese Aussagen nicht. Vor allem, wenn man sich an unseren Artikel von Mitte der Woche erinnert. Darin war die Rede, dass BMW sich zu steiler Wachstumskurve und schnellere Markteinführung von elektrifizierten Fahrzeugen bekennt. Neue E-Fahrzeuge sollen dabei unterstützen.

„Wir drücken beim Wandel hin zu nachhaltiger Mobilität aufs Tempo und machen unser Unternehmen fit für die Zukunft: In den vergangenen zwei Jahren haben wir konsequent zahlreiche Entscheidungen getroffen, die wir jetzt auf die Straße bringen. Bis 2021 werden wir den Absatz elektrifizierter Fahrzeuge gegenüber 2019 bereits verdoppeln.“ – Harald Krüger, Vorsitzender des Vorstands der BMW AG

Krüger gab des weiteren zu verstehen, dass man in der Tat bereits 2023 25 elektrifizierte Fahrzeuge anbieten werde, damit zwei Jahre früher als bisher geplant. Zudem rechne man bis 2025 mit einer steilen Wachstumskurve: „Jahr für Jahr soll der Absatz unserer elektrifizierten Fahrzeuge um durchschnittlich über 30 Prozent steigen“, so der Vorsitzender des Vorstands der BMW AG.

Autos verändern Kunden nicht; Anreize schon

Die Wahrheit wird wie immer irgendwo dazwischen liegen. Fröhlich seinerseits kritisierte im Zusammenhang mit der Markteinführung von E-Autos in Europa die mangelnde staatliche Unterstützung auf den wichtigsten europäischen Automobilmärkten und wies darauf hin, dass sie sich in Norwegen, Schweden und den Niederlanden mit hoher Unterstützung gut verkauften, aber nicht in Deutschland, Frankreich, Italien oder dem Vereinigten Königreich.

Aus seiner Sicht ändere man die Ansichten der Kunden mit Anreizen, nicht mit Autos. Und auch sei es für BMW nicht zu spät mit E-Autos auf den Markt zu kommen. „Ich denke, wir kommen zur richtigen Zeit, weil wir nicht genügend Verbraucher haben, die diese Autos kaufen. Wir brauchen 70.000 bis 100.000 Euro und das ist nicht das Marktsegment, in dem Sie Volumen machen können“, so Fröhlich weiter.

Reichweitenangst nur ein Thema der eigenen Geldbörse…

Interessant ist auch seine Einordnung zur Reichweitenangst, bei der man ihm durchaus zustimmen kann. Eine größere Reichweite wünsche sich jeder Kunde, solange er dafür nicht extra zahlen müsse. Dabei sei es aus seiner Sicht eine rein ökonomischer Betrachtung: Jeder bekommt das, was er sich leisten kann. „Die Differenz zwischen 350 km und 600 km der BEV-Reichweite wird 10.000 Euro betragen. Du hast sie beide da draußen platziert und siehst, wie viele Leute das 600 km lange Auto kaufen werden,“ so Fröhlich.

Bei einem BMW 180d und eine M4 macht der Preisunterschied die Leistung. Bei einem E-Auto ist der Preisunterschied Leistung und Reichweite. Schlußendlich entscheidet die Geldbörse des Kunden und was er bereit ist zu zahlen, ob und wie weit sein E-Auto rein elektrisch fahren kann. Geht es nach optimistischen Betrachtungen von BMW werden 2025 noch „mindestens 80 Prozent unserer Fahrzeuge über einen Verbrennungsmotor verfügen“, so Fröhlich.

Ausschlaggebend sei hier unter anderem die fehlende Ladeinfrastruktur. Gerade in Gebieten wie Russland, den Mittleren Osten und den westlichen, inneren Teil Chinas, spielt dies eine entscheidende Rolle.

Quelle: Forbes – BMW Says European Customers Aren’t Demanding EVs

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fröhlich verkündet Fröhlich Unsinn. Er kann auch sagen: Wir können jedem Menschen einen Verbrenner liefern, aber es werden nicht alle einen kaufen. Sie sind einfach zu teuer. Ein BMW kostet mit Absicht 15-20 % mehr als der Marktdurchschnitt. Image-Strategie.

Und wenn man darauf noch Mal 10.000 Euro drauf legen soll – obwohl die Produktion weniger kostet – fühlt man sich halt verarscht.

Nicht vergessen! Wie weit war der Weg des Automobils von der Jahrhundertwende 1900 bis in die 1950er/1960er
zum erschwinglichen Gut für die breite Masse? Wenigstens als Gebrauchtwagen? Nicht zu vergessen die Evolution
vom „4/20 PS“ zum Abgas-Schwindel-Diesel mit 400 PS mit Russwolke bei Vollbeschleunigung zum Kotzen für die
zufällig Hinterherfahrenden? Die Auswahl, welcher Antrieb und Fahrzeuggrösse für jedes Individuum in Frage kommt, hängt natürlich vom Geldbeutel, respektive Kreditlinie und Nutzung ab. Vielleicht passt ein Viersitzer mit 200 km Reichweite und für eine längere Strecke leiht der Fahrer einen kompakten Anhänger mit Zusatzbatterie. Das ist zwar eine Krücke wie das auf dem Kofferraum montierte Reserverad beim Rover P6. Wenn nicht, sind es die immer häufiger angebotenen car sharing Modelle. Die Zukunft bleibt spannend und ein Rückschlag ist immer eine Chance für einen Neuanfang.

Mit Leuten wie Herrn Fröhlich sehe ich schwarz für BMW – schade!
Den vorausgegangenen Kommentaren kann ich mich weitestgehend anschließen, möchte aber noch gerne einen Beitrag zum Thema Hybrid beisteuern.
Die gängigen PHEV’s sind Mogelpackungen und ich wundere mich, wie viele Käufer darauf reinfallen.
Extrem kurze elektrische Reichweite und dabei geringe elektrische Leistung.
Mehrkosten für die es kaum einen Gegenwert gibt.
Aufwand und Service für zwei Antriebssysteme.
In der Praxis wird häufig mangels Möglichkeit oder wegen der Kosten nicht elektrisch geladen, sondern die Batterie „vollgeschleppt“ – nicht im Sinne des Erfinders!
Eine unverantwortliche „Schönrechnung“ des CO2-Ausstoßes, die den Automobilfirmen den Flottenverbrauch reduziert. Wieso machen Käufer und Politik da überhaupt mit?
Ein 3er BMW ist z.B. nur als 330e PHEV zu haben – daran sieht man, dass es nur darum geht weiterhin Monstermotore mit hohem CO2-Ausstoß anbieten zu können, ohne Strafzahlungen leisten zu müssen. Der E-Motor hat mehr eine Alibifunktion als einen echten Nutzen.
Schade um alle Entwicklungskosten, die da reinfließen!

Warum muss man dann bei Hyundai und Kia über 1Jahr warten, bis man ein Elektroauto geliefert bekommt

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