Bloomberg NEF beantwortet Fragen zur Batteriepreis-Studie

Bloomberg beantwortet Fragen zur Batteriepreis-Studie
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Immer mehr Automobilhersteller und politische Entscheidungsträger äußern ihre Überzeugung, dass das Auto der Zukunft (teilweise oder vollständig) mit Strom betrieben wird. Es besteht jedoch nach wie vor ein Mangel an Konsens hinsichtlich des Zeitpunkts und der Geschwindigkeit des Übergangs hin zum elektromobilen Zeitalter. Das ist teilweise auch auf unterschiedliche Meinungen zu den derzeitigen und zukünftigen Kosten und der Leistungsfähigkeit von Lithium-Ionen-Batterien zurückzuführen.

Im Dezember 2018 veröffentlichte das Forschungsunternehmen Bloomberg NEF die Ergebnisse seiner neunten Batteriepreis-Studie, einer Serie, die im Jahr 2012 beginnt und auf Daten aus dem Jahr 2010 zurückblickt. Die jährliche Preisumfrage ist zu einem wichtigen Benchmark in der Branche geworden. Seit Beginn der Datensammlung bis heute ist der Preis für eine Kilowattstunde Akkukapazität um satte 85 Prozent gefallen. Von 1160 US-Dollar (etwa 1030 Euro) im Jahr 2010 auf 176 US-Dollar (156 Euro) im Jahr 2018.

Das Interesse der Kunden sowie auf Social Media an der jährlichen Batteriepreis-Studie steige von Jahr zu Jahr, so Bloomberg NEF. Unter den vielen Fragen und Kommentaren, die das Unternehmen dazu erhalten habe, stechen einige Themen heraus, die es wert seien, angesprochen zu werden. Denn oft steckt der Teufel im Detail und erfordert eine tiefere Analyse, als in 280 Zeichen zerquetscht werden kann, so das Forschungsunternehmen. Hier sind einige der Bereiche, zu denen es Fragen gab, sowie die Gedanken von Bloomberg NEF dazu:

„Die aktuellen Preise sind in Wirklichkeit noch viel niedriger.“ Dies sei teilweise richtig. Es gebe zahlreiche Beispiele für Preise, die unter dem Durchschnitt liegen. Allerdings im Umkehrschluss auch Preise, die deutlich darüber liegen, deshalb habe Bloomberg NEF auch viele Kommentare à la „Die aktuellen Preise sind in der Realität weit höher“ bekommen. Da Bloomberg NEF einen Durchschnittspreis angebe, seien unterschiedliche Preise je Kilowattstunde völlig normal. Fest stehe aber, dass der Branchendurchschnitt rückläufig ist.

„Die Batteriepreise steigen und fallen nicht.“ Die beiden Hauptargumente für eine Erhöhung der Batteriepreise beruhen auf der Preissensibilität gegenüber den zugrunde liegenden Metall- und Rohstoffpreisen sowie dem Wunsch der Batteriehersteller, ihre Margen zu erhöhen. Zunächst zu den Metallen und Rohstoffen: Lithium-Ionen-Batterien sind abhängig von der Chemie empfindlich gegenüber Lithium-, Nickel-, Kobalt- und Aluminiumpreisen. Mit dem BloombergNEF-Tool zur Sensitivität der Batteriepreise können die Kunden des Unternehmens die Empfindlichkeit anhand wöchentlicher Änderungen des zugrunde liegenden Rohstoffpreises in einer Reihe von Batteriechemikalien bewerten. Die Sensitivität der Batteriepackpreise gegenüber den Rohstoffpreisen sei viel geringer als allgemein bekannt, so das Forschungsunternehmen. Ein Anstieg des Lithiumpreises um 50 Prozent würde zum Beispiel den Batteriepackpreis einer Nickel-Mangan-Kobalt (NMC) 811-Batterie um weniger als 4 Prozent erhöhen. In ähnlicher Weise würde eine Verdoppelung der Kobaltpreise zu einem Anstieg des Gesamtpackpreises um 3 Prozent führen.

Das zweite Argument wurde in letzter Zeit von einigen Batterieherstellern selbst ins Feld gebracht. Aufgrund mangelnder Transparenz bezüglich der Margen verwendet Bloomberg NEF in der Batteriepreisumfrage derzeit einen Näherungswert. Dies werde nicht immer der Fall sein, da die Hersteller ihre Margen anpassen und mehr Sichtbarkeit gewinnen. Wenn man den Nachrichten in Korea glauben will, führen Samsung SDI und LG Chem Gespräche mit einer Reihe ihrer Automobilkunden, um die Batteriepreisverträge in anstehenden Lieferverträgen um etwa 10 Prozent zu erhöhen. Die Bemühungen eines einzelnen Herstellers, die Preise zu erhöhen, scheinen den drohenden Wettbewerb der Konkurrenten zu ignorieren. Einige Unternehmen versuchen möglicherweise, ein Margenplus zu erreichen, das eigentlich nicht mehr zu vertreten wäre. Sie können damit versagen und Marktanteile verlieren – oder Erfolg haben. Ein koordinierterer Anreiz für Hersteller, die Preise zu erhöhen, würde dagegen wie Kartellverhalten aussehen – und ist in der derzeitigen Situation auch sehr unwahrscheinlich.

„Was kommt nach Lithium-Ionen?“ sei ebenfalls eine häufig gestellte Frage. Die wahrscheinlichste Nachfolgetechnologie ist der Festkörperakku, obwohl Graphenanoden und ultraschnelle Aufladung hinsichtlich Häufigkeit an und Aufregung in Nachrichtenartikeln (bzw. darunter in den Kommentarspalten) an der Spitze stehen. Bloomberg NEF erwarte allerdings nicht, dass Festkörperbatterien vor Ende der 2020er Jahre einen bedeutenden Beitrag zum globalen Elektroauto-Markt leisten werden.

Quelle: Bloomberg NEF – A Behind the Scenes Take on Lithium-ion Battery Prices

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