BJEV setzt bei Elektroautos auf Batteriewechsel

BJEV setzt auf Wechselstation für E-Autos

Copyright Abbildung(en): shutterstock/ Lizenzfreie Stockfotonummer: 1511285723

Chinas größter Elektroautohersteller BJEV, ein Tochterunternehmen des chinesischen Herstellers BAIC, setzt sich für die Technologie des Batteriewechsels ein, da geringere staatliche Subventionen, lange Ladezeiten und batteriebedingte Brandunfälle potenzielle Käufer auf dem weltweit größten Markt für Neufahrzeuge oftmals vom Kauf eines Stromers abschrecken, meint das Unternehmen.

Batterien sind nach wie vor das teuerste Bauteil von Elektroautos und machen je nach Modell etwa ein Viertel bis zum Teil sogar die Hälfte des Fahrzeugspreises aus. Analysten gehen davon aus, dass über die komplette Lebensdauer gerechnet die Anschaffungs- und Betriebskosten für Elektroautos noch bis 2025 höher sein werden als für Benzinfahrzeuge.

Wir planen, mehr als 10 Milliarden Yuan (etwa 1,3 Milliarden Euro) in den Bau von 3000 Batteriewechselstationen zu investieren, die bis Ende 2022 500.000 Elektrofahrzeuge versorgen können“, sagte Ma Fanglie, Präsident von BJEV, der Zeitung China Daily zufolge Anfang September auf einem Branchentreffen.

Wir werden die Batterien von den Fahrzeugen trennen und sie an Autobesitzer leasen, wodurch die Autos viel erschwinglicher werden“, versprach Ma. Das Batterieleasing sei für Kunden finanziell reizvoller, ist sich der Manager sicher. BJEV bietet derzeit drei Modelle an, die die Technologie unterstützen, etwa die Limousinen EU260 und EU300.

Laut Ma befinden sich die Batterien an den Wechselstationen in einem Erhaltungsladevorgang, der Geld spart, da dieser die Lebensdauer der Batterien um 30 bis 60 Prozent gegenüber denjenigen Akkus verlängert, welche mit der üblichen Hochvolt-Schnellladetechnologie aufgeladen wurden. Das Erhaltungsladen soll auch die Batteriesicherheit erhöhen. Statistiken zufolge ereignen sich etwa 75 Prozent der Brandunfälle mit Elektroautos, während die Fahrzeuge aufgeladen werden.

Ein Batteriewechsel erspart den Besitzern von Elektroautos auch lange Wartezeiten. Bei einigen Modellen auf dem Markt dauert es gut 40 bis 50 Minuten, um einen Ladestand von 80 Prozent zu erreichen – ein Batteriewechsel dauert nur drei Minuten.

„Ich würde nicht sagen, dass dies die einzig sinnvolle Lösung ist, aber der Batteriewechsel wird eine wichtige Alternative sein, insbesondere für Fahrzeuge, die für den öffentlichen Verkehr eingesetzt werden.“ – Ma Fanglie, Präsident von BJEV

BJEV, an dem auch der Daimler-Konzern beteiligt ist, hat bereits 160 Batteriewechselstationen für 13.000 Fahrzeuge errichtet. Zuletzt hat Peking beschlossen, seine Taxiflotte um 6000 Elektrofahrzeuge zu erweitern, die diese Technologie unterstützen, sagte Ma. Weitere 20.000 Fahrzeuge sollen im Jahr 2020 hinzukommen.

BJEV nicht der einzige Befürworter des Batteriewechsels

Ende August gab auch das Elektroauto-Start-up Nio bekannt, dass seine Autobesitzer diesen Service kostenlos nutzen könnten. Nio hat in China bereits 80 Batteriewechselstationen eingerichtet und plant, diese Zahl bis Ende 2020 auf 1100 zu erhöhen, so China Daily.

China ist der weltweit größte Markt für Neufahrzeuge. Im vergangenen Jahr wurden 1,25 Millionen Fahrzeuge verkauft, laut dem chinesischen Verband der Automobilhersteller werden es in diesem Jahr voraussichtlich 1,5 Millionen sein.

Quelle: China Daily – BJEV advocates battery swap service for e-vehicle owners

Über den Autor

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

Newsletter

Erhalte jeden Montag, Mittwoch und Freitag aktuelle Themen wie „BJEV setzt bei Elektroautos auf Batteriewechsel“ sowie die neusten Informationen aus der Welt der Elektromobilität kostenfrei direkt ins eigene Postfach. Kuratiert aus einer Vielzahl von Webseiten und Blogs.
Ja, ich möchte den gratis E-Mail-Newsletter von Elektroauto-News.net abonnieren. Die Datenschutzerklärung habe ich gelesen. Die Einwilligung zum Versand des Newsletters kann jederzeit widerrufen werden. Hierzu reicht es auf den Abmeldelink zu klicken, welcher sich in jedem Newsletter befindet.

Fakten & MeinungenDiskutiere mit der E-Community

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
8 Comments
Oldest
Newest Most Voted
Inline Feedbacks
View all comments

Batterie Wechselstationen wären eine sehr sinnvolle Alternative. Es könnte auf jeder Tankstelle so eine Station eingerichtet sein.
Auf den Flachdächern haben Photovoltaik meist Platz genug um für die Aufladung zu sorgen.
Es müssten allerdings alle Fahrzeuge die gleiche genormte Technologie verwenden. Die Anzahl der Batterien kann ja dann unterschiedlich sein.
Dazu müsste zum Beispiel von der EU eine zwingende Norm herausgegeben werden.
Vorteil: schnelle Weiterfahrt möglich – Tankstellen werden damit auch weiter zukunftsicher auch mit ihren Shops betrieben.

Ja, dadurch würde man auch sicherstellen, dass die Umweltbilanz von BEVs nicht besser wird als die der Verbrenner, womit beide Technologien gleichwertig behandelt werden können, was auch wieder den Tankstellen zugute kommt…

Da bin ich als Nutzer eine eMobils eher skeptisch. Stelle mir das praktisch vor: mein Auto hat noch z.B. 25 Prozent Ladung, was nicht bis zum Ziel reicht. Also eine neue Batterie rein. Is ja nicht so leicht und handlich das Ding. Bekomme ich dann eine Gutschrift für die 25 %? Und die Tankstellen sollen wieviele Batterien bevorraten? Wer macht den Austausch? Wer garantiert für die Qualität der Austauschbatterie? Da wäre aber in einer Stadt wie Hamburg logistisch einiges nötig. Stelle mir die LKW,s vor, die morgens die neuen Batterien liefern, denn dass die Tankstellen die alle selbst laden und rechtzeitig bereit stehen haben, dass wäre wohl Wunschdenken.
Kenne eigentlich nur die Gasflasche für den Campinggebrauch, wo das so einigermaßen funktioniert – da ist es aber auch nicht so schlimm, wenn der Kocher mal nicht funktioniert.

Da halte ich die – für mich sehr gut funktionierende – Lösung der Ladesäulen für besser und einfacher.

Vor 40 Jahren wurden in einem Was ist Was – Buch zukünftige E-Autos beschrieben mit dem schnellen Wechsel von den Batterien. Es wird Zeit dass dies so umgesetzt wird. Diese Technik beseitigt das Reichweitenproblem und die langen Zwangspausen und auch die Bewohner von Mehrfamilienhäusern ohne eigenen Stromanschluss in der Garage oder an der Straße wäre damit geholfen. Zumal wie Walter Walcher schreibt die Dächer der Tankstellen entsprechende Solaranlagen installieren können und damit auch den Strom zum Laden umweltfreundlicher erzeugen können. Das größte Problem ist mit Sicherheit dass keine Normung stattfindet und jeder seine eigene Suppe kocht, wie immer.. siehe Ladekabel.

Eine Normung wäre nicht das grösste Problem . Es müsste nur einer anfangen. Umbau von untern aus im Steckkupplungsverfahren mit Gummidichtung ringsum. Da hätten auch die Tankstellen wieder Berechtigung mit einer
Vorratshaltung der Akkus. Diebstahl von Ladesäulen ausgeschlossen. Diese Lösung hat mehr Potential als Wasserstoff.

Höherer Verschleiß, technologischer Stillstand, schlechtere Fahreigenschaften, höhere Umweltbelastung etc.
Klingt doch nach einer guten Weiterentwicklung zum Diesel, worauf warten wir also noch?

noticed, Du nennst hier die Nachteile vom Verbrenner.

Genau. Und diese Nachteile hat man mit einem Batteriewechselsystem dann endlich auch beim Elektrofahrzeug.

Diese News könnten dich auch interessieren:

Toyota testet Wasserstoff-Verbrenner im GR Yaris
Nissan baut E-Auto-Schnellladenetz in Deutschland und Europa weiter aus
Uniti One: Update zum E-Kleinwagen aus Schweden
8
0
Would love your thoughts, please comment.x
()
x

Deine Anmeldung zum Newsletter:
Ein letzter Schritt fehlt noch.

Vielen Dank für deine Anmeldung zum Newsletter von Elektroauto-News. Du erhältst in Kürze eine E-Mail, in der sich ein Link zur Freischaltung deiner E-Mail-Adresse befindet. Erst durch die Bestätigung des Links dürfen wir deine E-Mail-Adresse zum Versand unseres Newsletter freischalten (Double-Opt-In).