Die Batteriestrategie des VW-Konzerns: Volkswagen will Technologieführer werden

VW will Technologieführer bei Batterien werden
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Der Volkswagen Konzern treibt den grundlegenden Systemwechsel in der individuellen Mobilität weiter voran und richtet sich konsequent auf den Elektro-Antrieb aus. In den nächsten zehn Jahren sollen fast 70 neue Elektro-Modelle auf den Markt kommen. Die Anzahl der projektieren Fahrzeuge auf den E-Plattformen des Konzerns liegt bei 22 Millionen Stück.

Damit steigt der Batterie-Bedarf des Volkswagen Konzerns allein in Europa und in Asien auf mehr als 300GWh jährlich. Die heutigen Zellkapazitäten decken nicht ab, was der Markt in Zukunft brauchen wird.

Da aktuell die Verkaufszahlen von Elektroautos noch überschaubar sind, wurden in der Vergangenheit die Batteriezellen hauptsächlich aus Asien importiert. Erste Batteriefabriken in Europa befinden sich inzwischen im Anlauf, um auch die Fahrzeugvolumen der kommenden Jahre beliefern zu können.

Aber sobald die E-Offensive des VW-Konzerns Fahrt aufgenommen hat, wird auch die regionale Fertigung von Batterien aus Wettbewerbssicht sinnvoll, so der Autokonzern in einer aktuellen Mitteilung. Daher sei die Konzern-Batteriestrategie ein wesentlicher Bestandteil der Elektrifizierungsstrategie von Volkswagen.

Aufsichtsrat genehmigt knapp eine Milliarde Investitionen für Batteriefabrik

Der Volkswagen Konzern wird im Rahmen seiner Elektro-Offensive den Aufbau einer Batteriezellfertigung im Rahmen einer Partnerschaft in Europa forcieren. Dazu hat der Aufsichtsrat in einer vergangenen Sitzung ein Investitionsvolumen von knapp einer Milliarde Euro bewilligt.

Es ist geplant eine solche Batteriezellfertigung in Niedersachsen anzusiedeln, sofern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hierfür gegeben sind. Dazu zählen insbesondere die Befreiung von der EEG-Umlage und gleichzeitig die Verfügbarkeit von Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Voraussichtlich bis Jahresende soll über die Pläne und die Konkretisierung der Investitionen final entschieden werden.

Volkswagen verfolgt einen mehrstufigen Ansatz des Kompetenzaufbaus bei der Batterie
Im ersten Schritt sind strategische Partnerschaften mit den etablierten Zelllieferanten eine entscheidende Basis für die Versorgung der Batterien für die Fahrzeuge im Rahmen der Elektrifizierungs-Offensive. Dabei handelt es sich um langfristige Partnerschaften, die einen Großteil der Versorgung mit den entsprechenden Technologiesprüngen nachhaltig sicherstellen. Als Hauptlieferanten wurden SKI, LG Chem und CATL für die erste Welle der Elektromobilität definiert.

Ergänzend geht es darum, bei Forschung, Entwicklung und Herstellung von Lithium-Ionen Batterien maßgebliches Know-how aufzubauen. Im Center of Excellence (CoE) in Salzgitter hat der Konzern die Verantwortung für Entwicklung, Beschaffung und Qualitätssicherung aller Batteriezellen für den Konzern gebündelt. Ab dem zweiten Halbjahr 2019 startet der Konzern am Standort eine Pilotfertigung.

Aufgrund der Kapitalintensität bei der Investition in Zellfertigung sollen als nächstes so genannte Gigafactories mit Partnern aufgebaut werden, dabei richtet sich der Fokus auch auf mögliche Standorte in Deutschland.

In der folgenden Phase plant der Konzern den Aufbau einer Zellfertigung für Lithium-Ionen und einer Zellfertigung für Feststoffbatterien – beides in Europa. Die Partnerschaft mit dem US- amerikanischen Unternehmen QuantumScape ist integraler Bestandteil der Konzern- Batteriestrategie insbesondere vor dem Hintergrund einer Zellfertigung für Feststoffbatterien.

Volkswagen will Technologie- und Kostenführer werden

Die Batterie wird bei E-Fahrzeugen einen erheblichen Teil der Wertschöpfung ausmachen. Deshalb arbeitet der Konzern intensiv daran, dass Batterie und Batteriezelle in Zukunft eine weitere Kernkompetenz von Volkswagen sein wird – und zwar über alle Stufen der Prozesskette hinweg, von der Entwicklung über die Herstellung bis zur Entsorgung bzw. zum Recycling.

Für Volkswagen sei klar, dass auf diesem Feld die Technologie- und Kostenführerschaft angestrebt wird. Der Konzern wolle Kunden nicht nur die besten E-Fahrzeuge anbieten, sondern dies auch noch zu wettbewerbsfähigen Preisen.

Rohstoffabsicherung als Erfolgsfaktor

Ein wichtiger Erfolgsfaktor ist auch die Rohstoffabsicherung. Bei dem Thema sei der Konzern gut aufgestellt. Aus heutiger Sicht ist Volkswagen zuversichtlich, dass das Unternehmen in ausreichender Menge über alle benötigten Rohstoffe  für den Hochlauf der Elektromobilität verfügen wird.

Bei Lithium, dem wesentlichen Bestandteil einer Batterie, hat der Konzern kürzlich ein Memorandum of Understanding mit Ganfeng für einen 10-Jahresvertrag abgeschlossen. Allein diese Vereinbarung sichert VW einen wesentlichen Anteil des Lithiumbedarfs. Weitere Verhandlungen mit anderen Anbietern laufen.

Unterdessen arbeitet der Konzern konsequent daran, den Anteil von Kobalt in den Batterien zu reduzieren – was gleichzeitig die notwendigen Beschaffungsvolumina dieses Rohstoffs sukzessive reduzieren würde. Der Anteil dieses Rohstoffs soll von zurzeit zwölf bis 14 Prozent (Gewichtsanteil in der Kathode) auf fünf Prozent innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre sinken. Volkswagen arbeitet daran, Kobalt-freie Batteriezellen zu entwickeln.

Know-how Aufbau mit starken Partnern – Die European Battery Union

Der Volkswagen Konzern hat sich mit weiteren europäischen Partnern zur „European Battery Union“ (EBU) zusammengeschlossen, um die Batterieforschung europaweit voranzutreiben. Unter der Führung des Volkswagen Konzerns und dem schwedischen Batteriehersteller Northvolt werden sich die gemeinsamen Forschungsaktivitäten auf die gesamte Wertschöpfungskette der Batterie konzentrieren – von Rohstoffen über die Zelltechnologie bis hin zum Recycling. Vorrangiges Ziel ist ein deutlich umfassenderer Kompetenzaufbau für die Industrialisierung der Batteriezellfertigung. Start der gemeinsamen Forschungsaktivitäten soll Anfang 2020 sein.

Es ist geplant, eine Batteriezellfertigung in Deutschland (Niedersachsen) anzusiedeln, sofern die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen hierfür gegeben sind. Entscheidende Kriterien bei der Standortwahl sind wettbewerbsfähige steuerliche Rahmenbedingungen und – wegen des hohen Strombedarfs bei der Zellfertigung – attraktive Energiepreise. Und nicht zuletzt: das Tempo bei den Genehmigungsverfahren, da der Aufbau einer Zellfabrik mindestens drei Jahre dauert.

Stellschrauben gäbe es einige, um die Attraktivität potenzieller deutscher Standorte zu erhöhen. Denkbar wären zum Beispiel eine Befreiung von der EEG-Umlage, Unterstützung bei der Gewährung von Investitionshilfen und bei Infrastrukturmaßnahmen, außerdem Maßnahmen wie die Gewährung von Sonderabschreibungen oder Steuervorteilen, und nicht zuletzt eine staatliche Förderung von Ausbildung bzw. Umschulung in der betreffenden Region.

Quelle: Volkswagen – Pressemitteilung vom 14.05.2019

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