Ausblick auf die Entwicklung des Elektroauto-Markts in Europa bis 2025

Europas E-Automarkt wird kräftig wachsen
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Bereits vor gut einem Monat haben wir darauf verwiesen, dass sich der Elektroauto-Absatz in 2020 mehr als verdoppeln soll. Nun gilt es allerdings den Blick zu weiten und die Entwicklung des Elektroauto-Markts in Europa bis 2025 zu betrachten. Feststeht, das Wachstum wird getrieben durch die CO2-Flottenwerte der Automobilhersteller.

Im Dezember 2018 hat man sich in der EU auf neue CO2-Grenzwerte für Pkw für die Zeit nach 2020 verständigt. Bis 2030 sollen die CO2-Emissionen von Neuwagen um 37,5 Prozent gegenüber 2021 sinken. Ab 2020 gilt ein Grenzwert von 95g CO2/km für alle neu zugelassenen Pkw. Eine Tatsache, welche zu einem explosionsartigem Wachstum am Elektromobilitätsmarkt im Quartal 01/2020 führen wird.

2019 – historisch hohe Elektroauto-Zulassungszahlen

Nach außen beeindruckt der europäische Elektroautomarkt mit einer kumulierten Wachstumsrate von 85,1 Prozent nach acht Monaten. Die Zulassungen im September stiegen um einen weiteren Monat mit rechtsgesteuerten Tesla Model 3 Volumenlieferungen, begleitet von den üblichen Impulsen aus dem britischen Markt im September dank des halbjährlichen Kennzeichenwechsels – dazu Anfang nächsten Monat im Detail mehr.

Dennoch sollte man festhalten, obwohl das Niveau von 2019 aus historischer Sicht groß erscheinen mag, ist die aktuelle Einschätzung, dass sich der Markt im Jahr 2020 gegenüber dem Niveau von 2019 mehr als verdoppeln wird, um die wichtigsten CO2-Ziele, die durch die Einführung neuer Modelle entstehen, zu erreichen.

Stetiges Wachstum ab 2020 mit kurzen Einbrüchen

2020 will alleine die Volkswagen Gruppe über 300.000 E-Autos weltweit auf die Straße bringen – 100.000 davon von Zwickau aus nach ganz Europa. Kombiniert mit den anderen Automobilherstellern ist somit eine deutliche Steigerung gegenüber 2019 zu erwarten. Sogar noch höher, als die derzeit konstant über 80 Prozent liegende Wachstumsrate gegenüber 2018.

Somit wird sich der europäische Markt voraussichtlich von um die 335.000 E-Fahrzeugen in 2019 – welche derzeit noch erreichbar scheinen, auf über 700.000 im nächsten Jahr steigern. 2021 peilt der europäische Markt dann schon fast eine Millionen Zulassungen an.

Im Anschluss daran wird mit einer Abflachung der Zulassungszahlen für E-Autos gerechnet, bis dann 2023 eine Halbzeitbewertung der CO2-Emissionen erwartet wird. Man darf hierbei davon ausgehen, dass die Automobilhersteller zuvor versuchen werden die CO2-Flottenziele erneut ein wenig aufzuweichen.

Das Angebot wird sich 2024 voraussichtlich wieder auf das Niveau von heute reduzieren, um die Nachfrage auf 2025 zu verlagern, wenn die CO2-Flottenziele von 95g/km im Durchschnitt um 15 Prozent reduziert werden. Getrieben ist diese Strategie durch die Vergabe von Superkredite, welche besonders effiziente Fahrzeuge fördern, indem sie mehrfach in die CO2-Bilanz eines Herstellers einfließen, sind zunächst außen vor.

Betroffen sind hiervon Fahrzeuge, die weniger als 50g CO2 pro Kilometer emittieren, werden beim Flottenverbrauch 2020 beispielsweise doppelt gezählt, im Jahr 2021 noch 1,66-fach und 2022 noch 1,33-fach – begrenzt auf 7g/km. Danach bekommt man keine Superkredite mehr.

Ab 2025 weitere Anreize für emissionsfreie und emissionsarme Fahrzeuge (ZLEV)

Ein weiterer Katalysator wird ab 2025 der Anreizmechanismus für emissionsfreie und emissionsarme Fahrzeuge (ZLEV) werden, der für Fahrzeuge mit einer Emission von weniger als 50g/km eingeführt wird. Dies könnte durchaus für besonders sparsame Plug-In-Hybride interessant werden.

Die CO2-Emissionsziele werden gelockert, wenn ein Hersteller einen ZLEV-Anteil – gemessen in einem bestimmten Jahr – erreicht, der die folgenden Benchmarks überschreitet: Automobilhersteller erreichen ab 2025 ein ZLEV-Anteil von 15 Prozent und ab 2030 von 35 Prozent ZLEV am Gesamtumsatz. Eine Überschreitung des ZLEV-Benchmarks um einen Prozentpunkt erhöht das CO2-Ziel des Herstellers (in g CO2/km) um ein Prozent.

Jedoch wurde die Erhöhung des CO2-Ziels bereits auf maximal 5 Prozent begrenzt, um die Umweltverträglichkeit der Regelung zu gewährleisten. Daher die Rechnung, dass wenn alle Hersteller eine grobe Aufteilung von 10 Prozent Elektroauto-Mix plus 10 Prozent PHEV-Mix erreichen und maximal 20 Prozent Plug-in-Mix erreichen – wobei sie in diesem Fall die Vorteile der ZLEV-Regelung voll ausschöpfen – würde dies einem europaweiten Volumen von 1,5 Millionen Elektroautos im Jahr 2025 und 3 Millionen emissionsfreier und emissionsarmer Fahrzeuge entsprechen.

Kurze Ergänzung zu den Grenzwerten: Die Zielwerte der Hersteller variieren und richten sich nach dem durchschnittlichen Fahrzeuggewicht der Flotte. Der CO2-Grenzwert von Toyota etwa liegt bei 95,1 Gramm CO2 pro Kilometer – die Japaner verkaufen viele eher leichte Kompaktwagen. Die schweren Geländewagen von Jaguar-Land-Rover dürfen durchschnittlich 130,6 Gramm emittieren. Im Detail hat Michael dies bereits in seinem Artikel “CO2-Grenzwerte der EU: Vielen Herstellern drohen hohe Geldstrafen” betrachtet.

Quelle: Matthias Schmidt – West European Electric Car Market Intelligence Monthly Report August 2019

2 Kommentare

  1. Alles schön berechnet, aber wer hätte in 2016 damit gerechnet, dass sich die Politik und die Hersteller auf CO2 Flottenlimits einigen werden?
    Die Klimaüberhitzung schreitet voran und die Auswirkungen werden immer spürbarer, das halten die Politiker nicht aus, da nutzt die enge Verbandelung mit den Herstellern auch nichts mehr.
    Ich bin überzeugt, 2030 werden wir in vielen Ländern 80-100% an emissomslosen Fahrzeugen haben.

    1. Ölsteuern rauf, strompreise runter. Ich glaub auch, dann kanns irgendwann von selbst laufen. In 10 jahren kann sich das sicher regeln.
      Diese politik soll einer verstehn. Wenn mehr sparsame autos verkauft werden, darf der hersteller ein höheres flottenziel verbuchen?! Wo liegt da denn der sinn? Etwa, dass man wie im restaurant ne mischkalkulation über die antriebsarten macht?
      Wäre ja nicht schlecht, wenn die e-autos billiger sind. Aber das verfehlt doch dann irgendwie die lenkungswirkung, wenn man gleichzeitig wieder mehr hungrige autos günstig verkaufen muss.

      Gerecht sieht anders aus, benzin und diesel sollten meiner meinung nach ruhig 2 euro kosten. Sonst bewegt sich nichts. Ich fahre selbst nen benziner, aber fairness muss sein. Ohne frust wirds nicht gehn

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