Streetscooter-Chef: Haben unsere „Chance konsequent genutzt“

Copyright Abbildung(en): StreetScooter Berlin Siegessäule

Prof. Achim Kampker darf durchaus als Revolutionär bezeichnet werden: Als Geschäftsführer der Post-Tochter Streetscooter wirbelt er den Markt für elektrische Lieferfahrzeuge gehörig durcheinander. Oder besser: Er stampft ihn überhaupt erst aus dem Boden. Denn einen Elektrotransporter wie den Streetscooter gab es zuvor noch gar nicht. Mit dem Nordbayerischen Kurier sprach Kampker unter anderem über die ersten Jahre des Start-ups und was die Herausforderungen für die Zukunft sind.

Den Erfolg des Streetscooters, der mittlerweile auch für Drittkunden erhältlich ist, erklärt sich Kampker damit, dass sein Unternehmen „konsequent die Chance genutzt“ habe, „in einem gerade entstehenden Markt auf Schnelligkeit zu setzen, während andere darauf gewartet haben, dass der Markt sich erst mal entwickelt“. Für die großen Hersteller sei die geringe Aussicht auf Gewinne immer eine Ausrede gewesen, keine E-Transporter herzustellen. In diese Lücke ist sodann Streetscooter gestoßen und hatte nach fünf Jahren Planungs- und Entwicklungszeit ein serienreifes Produkt vorzuweisen.

Zu Beginn sei das Start-up aus Aachen noch belächelt worden, ernst genommen wurde es erst, „seitdem bei der Post wirklich ein paar Tausend unserer Autos fahren“. Überhaupt habe erst die Übernahme durch die Deutsche Post DHL den Erfolg ermöglicht:

„Man muss klar sagen: Ohne ein großes Unternehmen wie die Post im Rücken, die ja auch eine eigene Flotte hat und den Streetscooter in nennenswerter Stückzahl selber nutzt, bin ich mir sicher, dass wir nicht erfolgreich gewesen wären oder es zumindest sehr schwer geworden wäre.“ – Achim Kampker, Geschäftsführer Streetscooter GmbH

Nun hat das erste Werk eine Produktionskapazität von 15.000 Fahrzeugen pro Jahr. In einem zweiten momentan im Aufbau befindlichen Werk sollen 20.000 weitere Streetscooter hergestellt werden können. Und angesichts der extrem hohen Nachfrage, so Kampker, werden sogar diese Kapazitäten, „die wir gerade aufbauen, auf Sicht eher nicht ausreichen“.

Eines der wichtigsten aktuellen Themen sei die Produktion der Batteriezellen für die Akkus: „Es wird zu wenig Zellen geben in den nächsten Jahren“, prophezeit Kampker im Interview. „Da muss sich Europa wirklich Gedanken machen, wie Zellfertigung, auf die wir dann auch Zugriff haben, hierher kommt.“

Asiatische Hersteller dominieren momentan den Markt der Zellfertigung mit – wie viele meinen – uneinholbarem Vorsprung. „Wenn man nicht handelt, wird die Lücke ja immer größer. Aber das ist eine große Gemeinschaftsaufgabe für Politik und Wirtschaft“, sagt Kampker.

Quelle: Nordbayerischer Kurier – Der deutsche Elektroauto-Papst

Über den Autor

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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