So geht der Aufbau des Ionity-Schnellladenetztes voran

Copyright Abbildung(en): IONITY

Das deutsche Ladesäulen-Joint-Venture Ionity hat vor wenigen Tagen seine erste von gut 400 geplanten Schnellladestationen in Betrieb genommen. Zu diesem Anlass hat die Süddeutsche Zeitung ein paar interessante Details zusammengetragen und den Ionity-Geschäftsführer Michael Hajesch sowie den Autoexperten Stefan Bratzel zu Wort kommen lassen.

Dem Bericht zufolge soll der Elektroauto-Pionier Tesla, der mit dem Supercharger-Netzwerk in Europa und den USA bereits eine eigene flächendeckende Schnell-Ladeinfrastruktur betreibt, Gespräche mit Ionity führen, inwieweit eine Zusammenarbeit möglich sei. Die Chancen dafür seien deutlich gestiegen, da Tesla dem Konsortium CharIN beigetreten sei, das in Europa und den USA den CCS-Standard fördert. Der europäische Standard CCS ist mit Elektroautos von Tesla bislang noch nicht kompatibel, was sich mit der Einführung von Teslas Massenstromer Model 3 aber auch ändern könnte, so die Zeitung.

Nach SZ-Informationen verhandeln auch die Autohersteller Volvo, Fiat-Chrysler, PSA/Opel sowie Jaguar Land Rover mit Ionity. Auch einige Energieversorger hätten bereits Interesse bekundet: Engie aus Frankreich, Enel aus Italien und Eon aus Deutschland, heißt es.

Eine Zusammenarbeit „im Interesse aller“

Dass Elektroauto-Fahrer egal welcher Marke in ganz Europa problemlos schnellladen können, sei nur eine Frage der Zeit, sagte Bratzel, Direktor des Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach, der SZ: „Langfristig wird es darauf hinauslaufen, dass alle Autohersteller und Ladenetzanbieter miteinander kooperieren.“ Bratzel meint sogar, dass Tesla mit einem Beitritt zu Ionity sein eigenes Supercharger-Netzwerk wiederum für andere Marken öffnen könnte. Eine Zusammenarbeit sei „im Interesse aller“ – allein schon, um Engpässe vor den Ladestationen zu vermeiden, zitiert die Zeitung den Autoexperten.

Bis es soweit ist, steht Ionity aber noch viel Arbeit bevor. 400 Schnellladestandorte in drei Jahren aufzubauen sei eine sportliche Aufgabe. Aber Hajesch zeigte sich der SZ gegenüber „zuversichtlich“, den ambitionierten Zeitplan auch einhalten zu können. Hajesch brauche „400 Genehmigungen für 400 verschiedene Großbaustellen“. 20 davon habe er erst in der Tasche, was auch daran liege, dass sich Ionity nicht mit zweitklassigen Lösungen abgeben wolle. „Wir wollen immer die 1A-Lage direkt an der Autobahn“, sagte Hajesch der Zeitung.

Die Chancen dafür stehen gar nicht mal so schlecht: Mit Shell, OMV, Tank & Rast und Circle K hat Ionity schon Partnerschaften mit wichtigen Unternehmen in diesem Bereich geschlossen. Und mit Q8 und MRH sind auch die größten Tankstellenbetreiber Großbritanniens schon mit an Bord. „Weitere werden folgen“, kündigte Hajesch an.

Quelle: Süddeutsche Zeitung – Energieschub an der Autobahn

Über den Autor

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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