PwC-Chef: Sollten bei E-Mobilität „Fehler der Energiewende“ nicht wiederholen

Fehler sollten bei E-Mobilität nicht wiederholt werden
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Norbert Winkeljohann, Deutschland- und Europa-Chef der Unternehmensberatung Pricewaterhouse Coopers (PwC), sprach in einem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung unter anderem über die Chancen von Elektroautos. Er hält den Siegeszug der Elektromobilität keineswegs für ausgemacht. Es sei demnach möglich, dass „die Brennstoffzelle schon in sieben bis zehn Jahren allein aus Gründen der Ladeinfrastruktur als bessere Alternative die E-Mobilität ablösen wird“. Er halte diese Entwicklung für „sehr wohl möglich“.

Sollte die Elektromobilität ein Trend sein, „der sich nachhaltig abzeichnet und der Schadstoffarmut in Innenstädten tatsächlich dient“, sollte eine stärkere staatliche Förderung „selbstverständlich“ sein, so der Manager. Allerdings müsste ein solcher Wandel auch „gründlich vorbereitet werden“, etwa um zuvor die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt untersuchen zu können. „In jedem Fall“ warnt Winkeljohann „vor Entscheidungen, die nicht ausreichend begründet sind. Das hatten wir bei der Energiewende und wir sollten diese Fehler nicht wiederholen“.

In diesen Tagen hat PwC auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos auch seinen jährlichen CEO-Survey vorgestellt, eine Umfrage unter Vorstandschefs weltweit führender Unternehmen. Demnach zeigen sich Top-Manager weltweit so optimistisch wie nie zuvor. Zum ersten Mal erwartet die Mehrheit der befragten Firmenlenker weltweit (57 Prozent), dass die globale Wirtschaft in den kommenden zwölf Monaten wächst. Das sind fast doppelt so viele wie im Vorjahr (29 Prozent) – der höchste jemals erreichte Anstieg und gleichzeitig das optimistischste Ergebnis, das je erreicht worden ist.

Deutschland unter den Top-Wachstumstreibern

Beim Drei-Jahres-Ausblick sind die deutschen CEOs optimistischer als im vergangenen Jahr: 35 Prozent der deutschen Firmenlenker sind sehr zuversichtlich, in den nächsten 36 Monaten Wachstum im eigenen Unternehmen erzielen zu können (Vorjahr: 27 Prozent). Weltweit ist man noch optimistischer: Fast die Hälfte der CEOs sind sehr zuversichtlich, in den nächsten drei Jahren Wachstum zu erzielen (45 Prozent).

Auch das Ausland sieht Deutschland als Top-Wachstumstreiber. Jeder Fünfte CEO weltweit beurteilt Deutschland als einen wichtigen Wachstumsmarkt, nur die USA (46 Prozent) und China (33 Prozent) werden von den Firmenlenkern als noch wichtiger gesehen.

Sorgen bereitet den deutschen Top-Managern derweil Überregulierung (43 Prozent), Populismus (30 Prozent), politische Unsicherheiten (28 Prozent) und Terrorismus (24 Prozent). Mit Blick auf die Digitalisierung sehen sie auch Cyberangriffe (28 Prozent) und eine nicht ausreichende Verfügbarkeit von Schlüsselqualifikationen als Bedrohung (24 Prozent).

„Das Top-Management hat erkannt, dass die Bildungssysteme angepasst werden müssen, damit Arbeitnehmer künftig mit den richtigen Fähigkeiten für den digitalen Arbeitsmarkt ausgestattet sind. Das wird ohne die Unterstützung von Unternehmen nicht funktionieren. Führungskräfte sind vor allem gefragt, wenn es darum geht, Mitarbeiter neu zu qualifizieren.” Norbert Winkeljohann, Deutschland- und Europa-Chef PwC

Entsprechend dem Motto des diesjährigen Weltwirtschaftsforums gab auch die Mehrheit der Unternehmenschefs an, in einer zersplitterten Welt mit multiplen fragmentierten Volkswirtschaften zu leben (82 Prozent). Die CEOs weltweit sehen die Entwicklung hin zu vielfältigeren Normen und Wertvorstellungen (82 Prozent), zu regionalen Handelsblöcken (73 Prozent), steigendem Nationalismus (65 Prozent), zu verschiedenen Wirtschaftsmodellen (60 Prozent) und zu erhöhtem Steuerwettbewerb (54 Prozent).

Auch die Zweifel über den positiven Einfluss der Globalisierung sind gewachsen. Diese Zweifel äußern sie beim Blick auf die Fairness im globalen Steuerwettbewerb (26 Prozent), auf die Bekämpfung des Klimawandels und der Ressourcenknappheit (30 Prozent) sowie die Schließung der Lücke zwischen Arm und Reich (39 Prozent). Die Mehrheit der CEOs sieht die Notwendigkeit, Wohlstand nicht nur nach finanziellen Kennzahlen zu messen.

„Die Entkopplung von wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Nutzen ist ebenso ein Resultat der Globalisierung und des technologischen Fortschritts. Das Ergebnis sind Vertrauensverluste und Klüfte in und zwischen Gesellschaften. Angesichts dieser Entwicklungen müssen wir uns fragen: Was können CEOs tun, um diese Klüfte zu überwinden? Ein erster Schritt ist sicher, sich einem klaren Zweck zu verpflichten, der über rein finanzielle Wertschöpfung hinausgeht.“ – Norbert Winkeljohann, Deutschland- und Europa-Chef PwC

Quellen: Neue Osnabrücker Zeitung – PwC-Chef: Siegeszug der E-Mobilität nicht ausgemacht // PwC – Pressemeldung vom 22.01.2018

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