Joint Venture soll Deutschland Zugang zum größten Lithium-Vorkommen der Welt ermöglichen

Joint-Venture soll Deutschland Zugang zu Lithium sichern
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Wie Kobalt gilt auch Lithium als einer der wichtigsten Rohstoffe, wenn es um die Produktion von Lithium-Ionen-Batterien geht. So soll die Nutzung von Lithium-Ionen-Batterien bis 2025 spürbar ansteigen. Ohne Lithium fährt kein Elektroauto. Zumindest, wenn man den aktuellen Stand der Technik betrachtet. Das mittelständische Unternehmen ACI Systems Alemania aus dem baden-württembergischen Zimmern ob Rottweil und das bolivianische Staatsunternehmen Yacimientos de Litio Bolivianos haben ein Joint Venture geschlossen, um für Deutschland den Zugang zum größten Lithium-Vorkommen der Welt zu sichern.

Bislang war es so, dass der bolivianische Präsident Evo Morales gezögert hat das große Lithium-Vorkommen in seinem Land wirtschaftlich zu erschließen. Dies soll sich ändern. Das deutsch-bolivianische Joint-Venture soll ab 2021 über 70 Jahre jährlich 40.000 bis 50.000 Tonnen Lithium in der bolivianischen Salzwüste fördern. Dieser Ort gilt als der mit dem größten Lithium-Vorkommen der Welt. Die Rede ist von neun Millionen Tonnen, die dort noch vorzufinden sind.

Derzeit wird der Bedarf pro Jahr noch mit 35.000 Tonnen Lithium angegeben, bis 2050 dürfte dieser auf 500.000 Tonnen steigen. Das Recycling gebrauchter Akkus könnte dazu beitragen, dass bis 2030 zehn Prozent des Bedarfs gedeckt werden, bis 2050 sogar 40 Prozent.

Dass der Einstieg in ein solches Projekt lohnenswert sein kann, zeigt sich alleine dadurch, dass sich der Preis pro Tonne Lithiumcarbonat sich innerhalb der letzten zwei Jahre fast verdoppelt hat. Dabei ist auch eine klare asiatische Dominanz am Markt zu spüren.

Erst im August wurde im Rahmen einer Studie bekannt, dass die globale Lithium-Produktion sich in den nächsten vier Jahren verdreifacht. Und dennoch steht weiterhin die Aussage: Lithiumproduktion kann Elektroauto-Boom standhalten.

„Dieses Gemeinschaftsprojekt könnte natürlich bei einer erfolgreichen Umsetzung dazu führen, dass es einen neuen Anbieter beziehungsweise einen neuen Lieferanten beziehungsweise von Lithiumverbindungen wie Lithium-Carbonat oder Lithiumhydroxid geben könnte, der in diesem bis dato oligopolen Markt zusätzlich einsteigen könnte.“ – Michael Schmidt, Rohstoffexperte bei der Deutschen Rohstoffagentur

Die wichtigste Erkenntnis hierbei ist, dass dieser Markt weiterhin boomt. Denn Lithium kommt in Batterien in unterschiedlichster Form vor. Aber aufgrund seiner spezifischen Eigenschaften ist es eben tatsächlich bei der aktuellen Technologie dieser Elektroauto-Batterien unersetzlich.

Der deutsche Wirtschaftsminister Peter Altmaier hat die Verhandlungen des deutsch-bolivianischen Gemeinschaftsprojekts politisch flankiert. Bei der Unterzeichnung des Vertrags war er am Nachmittag ebenso dabei wie auch der bolivianische Außenminister. Ob Altmaier die Bedeutung des Joint-Venture nicht zu hoch ansetzt, scheint noch nicht ganz klar. Denn Ferdinand Dudenhöffer, Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, gibt zu verstehen, dass die Automobilhersteller keine direkte Verbindung mit diesem Joint Venture eingehen, sie wenden sich eher an die großen Zelllieferanten.

Dennoch ist es sicherlich ein erster Schritt, um der deutschen Industrie einen verlässlichen und wettbewerbsfähigen Rohstoffbezug zu ermöglichen. Und wer weiß, eventuell kommt die deutsche Batteriefertigung noch, welche unsere Politik derzeit mit einer Milliarde Euro fördern möchte. Für Dudenhöffer hat das Joint-Venture lediglich Symbolcharakter: „Deutschland tue etwas bei der Elektromobilität“.

Quelle: Deutschlandfunk – Joint Venture soll deutsche Lithium-Versorgung sicherstellen

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