Ist Deutschland bei der Elektromobilität „zu langsam“?

Deutschland bei E-Mobilität zu langsam?

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Volkmar Denner (Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH), Roman Zitzelsberger (Bezirksleiter der Gewerkschaft IG Metall Baden-Württemberg), Winfried Hermann (Verkehrsminister des Landes Baden-Württemberg) sowie Christoph Reisinger und Klaus Köster, Chefredakteur und Autor für Wirtschaftsthemen der Zeitung Stuttgarter Nachrichten, sprachen Anfang dieser Woche vor 600 Besuchern über die Zukunft der Mobilität, über neue, saubere Antriebstechnologien von Fahrzeugen und welche Auswirkungen der Mobilitätswandel für den Wirtschaftsstandort Baden-Württemberg mit seinen Automobilherstellern und all seinen Zulieferern mit sich bringen könnte.

Verkehrsminister Hermann stellte die Pläne der grün-schwarzen Landesregierung vor, ein flächendeckendes Netz an Elektroauto-Ladesäulen zu schaffen, mit einer Lademöglichkeit alle zehn Kilometer. So will das Bundesland die Nutzung der batteriebetriebenen, emissionsfreien Fahrzeuge attraktiver machen. Noch aber, so Hermann süffisant, gebe es in Baden-Württemberg „fast mehr Ladesäulen als Elektroautos“. Eine zentrale Frage der Veranstaltung war allerdings auch, ob die Fokussierung auf das Elektroauto wirklich alternativlos sei, und warum sich die Fahrzeuge auf dem Automarkt bislang noch nicht durchsetzen konnten.

Bosch-Chef Denner warnte davor, „den Verbrennungsmotor zum Auslaufmodell zu erklären“. Es gebe außer Elektroautos etliche andere Möglichkeiten, den Autoverkehr nachhaltiger zu bekommen, etwa mittels Erdgasfahrzeugen oder alternativen E-Fuel-Kraftstoffen und Brennstoffzellenautos. Die Industrie solle sich nicht auf eine Technologie beschränken, sondern an mehreren arbeiten. Und dabei rede er von „einem Zeitraum von Jahren – nicht von Monaten.“

IG-Metall-Landeschef Zitzelsberger pflichtete Denner bei und plädierte dafür, die Forschung und Entwicklung mehrerer Technologien voranzutreiben. Er ist der Meinung, dass die Produkte zu den Käufern passen müssen, und dass E-Fuels besser zur deutschen Autofahrmentalität passen würden, als Elektroautos, die in ihrer Reichweite eingeschränkt seien.

Baden-Württembergs Verkehrsminister Hermann zeigte sich zunächst unzufrieden mit dem Verlauf der Diskussion. Es sei „zu viel über Probleme“ gesprochen worden, „anstatt darüber nachzudenken, wie wir zu Lösungen zu kommen“. Er fürchtet gar, dass die deutsche Automobilindustrie beim Thema Elektroautos „zu langsam“ sei und nicht entsprechend auf die weltweiten Entwicklungen reagiere.

Hermann fürchtet, so die Stuttgarter Nachrichten, dass Hersteller aus anderen Ländern neue Elektroautos entwickeln und auf den Markt bringen, während in Baden-Württemberg die Dieseltechnologie immer weiter verfeinert und über andere Antriebstechnologien zu lange gegrübelt werde.

Quelle: Stuttgarter Nachrichten – Treffpunkt Foyer zur Zukunft des Autolands – „Sind wir nicht zu langsam?“

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2 Antworten

  1. Es ist jedenfalls positiv, dass man sich diese Frage stellt. Man ist sich also im Klaren darüber (zumindest einigen), dass es durchaus keine abgemachte Sache ist, dass Deutschland bei der Einführung der Elektromobilität die gerne proklamierte Führungsrolle spielt. Das , obwohl die deutschen Traditionsmarken ab 2019 gut ins Spiel kommen werden, geht man von den Ankündigungen aus. Der oben gegebene Bericht bestätigt die noch weit verbreitete konservative Haltung gegenüber den E-Fahrzeugen. Was meint IG Metall Chef Zitzelsberger mit der deutschen “Autofahrmentalität” ? Vielleicht gilt es gerade diese zu verändern ? Umdenken, neues Mobilitätsverhalten entwickeln, z. B. : für Kurzstrecken und Stadtfahrten E-Fahrzeuge, für lange Strecken Bahn oder Benzinauto (evtl. Car sharing oder Mietwagen).
    Hier möchte ich noch einen Bericht zu einem Interview beifügen, den ein Audi Chef in Norwegen gegeben hat. Interessant welche Fragen ihm gestellt wurden, und was er geantwortet hat…

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