Elektroautos haben es schwer in Schwellen- und Entwicklungsländern

Elektroautos haben es schwer in Schwellen- und Entwicklungsländer

Copyright Abbildung(en): saiko3p / Shutterstock.com

An einem lauen Sommerabend in Oslo, anlässlich der Präsentation des Hyundai Kona Elektro, hatte ich die Gelegenheit, beim Abendessen mit einigen Managern des koreanischen Herstellers zu sprechen. Mit einem Verantwortlichen aus dem Bereich des weltweiten Vertriebs drehte sich das Gespräch bald um die Chancen der Elektromobilität in Schwellen- und Entwicklungsländern.

Kein einfaches Feld, sagte der Hyundai-Mitarbeiter, schließlich hätten die Menschen dort gar nicht das Geld, sich ein Elektroauto zu leisten, geschweige denn in Entwicklungsländern überhaupt einen Neuwagen. Wenn, dann reicht es oftmals nur für einen Gebrauchtwagen, oft per Schiff aus Industriestaaten importiert. Und die Neuwagen, die in diesen Ländern verkauft werden, sind oft aufs Wesentliche reduzierte, günstige Varianten der Volumenfahrzeuge aus dem Klein- und Kompaktwagensegment.

Der VW ID würde hier aktuell nicht funktionieren“, sagt auch der Lateinamerika-Chef von Volkswagen, Pablo di Si, über den Markt des Schwellenlandes Brasilien. Unter den mehr als zwei Millionen neu zugelassenen Fahrzeugen im Jahr 2017 waren gerade mal 250 Elektroautos. In Sachen Ladesäulen schaut es kaum besser aus, selbst in der 21-Millionen-Einwohner Metropole Sao Paulo gibt es nur 30 Ladestationen. Es gebe neben den „Schwächen des Ökosystems“ wie der quasi nicht vorhandenen Infrastruktur aber noch viele weitere Gründe. Etwa den, dass die Händler noch gar nicht auf Elektroautos eingestellt sind, so der Manager: „Das Markenimage würde sehr leiden, wenn wir Elektroautos auf den Markt hätten und die Händler nicht perfekt ausgebildet wären, sie zu warten.“

Dementsprechend zaghaft ist Volkswagen auch mit der Einführung von Elektrofahrzeugen in Lateinamerika. Den Anfang macht der Plug-in-Hybrid Golf GTE, gegen Ende 2019, wenn in Deutschland die neueste Generation langstreckentauglicher und preislich attraktiver VW-Elektroautos auf den Markt kommt. In Lateinamerika soll es erst dann reine Elektroautos geben, „wenn die Elektromobilität Fahrt aufnimmt“, so Pablo di Si.

Auch Antonio Megale, der Präsident des brasilianischen Automobilverbandes, ist zögerlich in Sachen Elektroantriebe. Er fügt an, dass Brasilien aber auch ohne den umweltfreundlichen Antrieb eine gute CO2-Bilanz seiner Fahrzeugflotte vorweisen kann, da das Land stark auf Bio-Kraftstoffe setzt. Diese Fahrzeuge können sich die Brasilianer auch leisten.

Im Nachbarland Argentinien schaut es kaum besser aus mit Elektroautos, in Buenos Aires wurde erst Anfang 2017 die erste Ladestation installiert. Womöglich sind es die Chinesen, die sich dort eine Nische aufbauen können. Denn der argentinische Präsident Mauricio Macri hat es vor kurzem dem chinesischen Autobauer BYD – dem Weltmarktführer in Sachen Elektroautos –  gestattet, Elektroautos in seinem Land zu produzieren. Zudem will Argentinien die Importzölle auf Elektroautos senken. GM mit dem Bolt und Nissan mit dem Leaf sollen bereits in den Startlöchern stehen.

Quelle: Stern – Bio statt Elektro

Über den Autor

Michael Neißendorfer ist E-Mobility-Journalist und hat stets das große Ganze im Blick: Darum schreibt er nicht nur über E-Autos, sondern auch andere Arten fossilfreier Mobilität sowie über erneuerbare Energien und Nachhaltigkeit im Allgemeinen.

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Diese Angaben sind absolut falsch. Zum Beispiel ECUADOR. Dort sind Elektroautos von allen Steuern, selbst der Mehrwertsteuer befreit, aber die Herren möchten in den Entwicklungsländern gern den alten Schrott verkaufen, den sie in den Industriestaaten nicht mehr loswerden, zum Beispiel werden Modelle aus 2016 in Europa in den Entwicklungsländern als Modell 2020 verkauft. Kia Soul Elektroauto mit 150 km Reichweite kostet hier 35000$, ein Unding, ohne Mehrwertsteuer, ohne Steuer. Das Auto durfte Preisbereinigt ohne Steuern maximal 25000$ kosten, wenn man den Preis in Europa zugrunde legt. So kann man die Elektromobilität auch zerstören.

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