Eine Million Elektroautos würden deutschen Stromverbrauch um nur 0,35 Prozent steigern

E-Autos steigern Stromverbrauch nicht spürbar
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Ein immer wieder gerne ins Feld geführte Argument von Elektroauto-Gegnern ist die Behauptung, dass die Stromfahrzeuge das deutsche Stromnetz zu sehr beanspruchen und im schlimmsten Fall sogar lahmlegen würden. Eine These, die schon mehrfach widerlegt wurde, steht doch mehr als genug Energie zur Verfügung, um alle Autos zu elektrifizieren: Eine Million Elektroautos würden den Stromverbrauch um nur 0,35 Prozent steigern, so ein aktueller Bericht bei firmenauto.de, bei dem mehrere Energieexperten zu Wort kommen.

Der Rechnung zugrundegelegt wurde das typische Fahrprofil eines Durchschnittsautos. Heißt: 12.500 Kilometer im Jahr, Energieverbrauch 15 kWh auf 100 Kilometer, macht einen Jahresverbrauch von 1875 Kilowattstunden.

Selbst die komplette Umstellung aller deutschen PKW – immerhin mehr als 40 Millionen Stück – auf Elektroantrieb würde zu keinerlei Energieengpässen führen, selbst wenn sie ausschließlich mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen versorgt werden, so ein offizielles Dokument des Bundesumweltministeriums: „Es gibt bei Weitem ausreichend erneuerbare Energien, um die gesamte deutsche Pkw-Flotte zu elektrifizieren“, heißt es dort. Große Energieunternehmen wie Eon und Innogy teilen diese Meinung.

Allerdings sei nicht „die Energiemenge der zu erwartenden Elektrofahrzeuge die kritische Größe“, wie Innogy mitteilt. Zu Problemen könnte es kommen, sollte eine große Zahl Elektroautos gleichzeitig am Stromnetz angeschlossen werden, zum Beispiel gegen 18 Uhr, wenn die Menschen aus der Arbeit nach Hause kommen, wie eine Studie des Beratungsunternehmens Oliver-Wyman zu Bedenken gibt: Bei einer Ortsnetzgröße von 120 Haushalten würden bereits 36 Elektroautos ausreichen, um das Netz lokal zu überlasten“, heißt es.

„Die Problematik, dass die Leute alle gleichzeitig laden, tritt in der Realität fast nicht auf“

Allerdings sei dieses extreme Szenario kaum realistisch, wie firmenauto.de recherchiert hat: „Der Laderhythmus der Bewohner ist so unterschiedlich, dass wir bisher noch gar nicht in die Nähe einer Engpass-Situation kamen. Von den zehn Elektroautos gingen bislang maximal fünf gleichzeitig ans Netz – ohne dass wir das beeinflusst haben“, sagte etwa Christian Bott, der für EnBW ein E-Auto-Projekt in Ostfildern leitet. Ähnliches habe sich bei einem weiteren Projekt des Energieversorgers Allgäuer Überlandwerk vor einigen Jahren gezeigt: „Die Problematik, dass die Leute alle gleichzeitig laden, tritt in der Realität fast nicht auf“, sagte Projektleiter Robert Köberle.

Gleichwohl müsse man zugeben, dass es eine theoretische Möglichkeit gibt, dass Netze zum Teil überlastet werden könnten, wenn 80 oder 90 Prozent der Pkw in Deutschland elektrisch sind. Doch auch dies lässt sich beeinflussen bzw. verhindern, ohne dass ein kostspieliger Netzausbau vonnöten ist: Indem die Elektroautos intelligent und flexibel gesteuert geladen werden, wie selbst die kritische Oliver-Wyman-Studie zugibt.

Unterstützt werden könnte diese „Sicherung“ durch die Errichtung von örtlichen Energiespeichern, wie es Netze BW in Ostfildern erprobt hat. Aber auch der Ausbau des Netzes wird weiterhin als Option untersucht. „Der Königsweg ist noch nicht gefunden“, resümiert firmenauto.de, aber es stehe definitiv fest: „Für die Netzbetreiber bleibt auf dem Weg ins E-Auto-Zeitalter noch einiges zu tun“.

Quelle: Firmenauto.de – Energieversorgung in Deutschland Wie viele E-Autos verträgt das Netz?

6 Kommentare

  1. Dazu ein Bericht von der norwegischen E–auto vereinigung (übersetzt) … der dies unterstreicht:
    «Mythos» um E-autos :mehr E-autos bedeuten eine Riesenbelastung des Stromnetzes
    (in dieser Artikelserie versucht «Elbil.no» die verschiedenen Mythen zu widerlegen)
    Behauptung: die starke Zunahme der e-Autos im Wagenpark bedeutet eine starke Belastung des Netzes und wird einen Ausbau des Netzes notwendig machen
    Falsch! Selbst wenn der norwegische E-auto-Bestand ein vielfaches des heutigen sein wird, wird dies nur zu einem bescheidenen Anstieg des Stromverbrauchs führen, den das Netz ohne wesentliche Probleme hantieren wird können.
    Berechnungen von NVE (die norwegische Wasser und Energiebehörde) zeigen, dass das Stromnetz im Jahre 2030 Strom für 1,5 Mill. E-autos liefern kann. Das beinhaltet eine Erhöhung des Stromverbrauchs um 3 % – oder 4 TWh.
    Jedoch kann es an einigen Stellen Herausforderungen geben, die Upgrades erfordern werden.
    Dies gilt besonders für Orte mit begrenzter Netzkapazität, so z. B. Gegenden wo es viele Hütten gibt.
    Ein wesentlicher Grund, warum NVE meint das Netz das schafft, ist, dass ein Grossteil des Ladens nachts geschieht.

  2. Nichts für ungut, aber 1875 kWh pro Jahr sind eher wenig. 3000 kwh finde ich realistischer.
    Macht für 1 Million entsprechend 3 TWh.
    Für 40 Millionen sind’s 120 TWh. Ui.
    Mit einer alternativlosen? kompletten Sektorkopplung wird der Stromverbrauch sich verdoppeln oder eher verdreifachen.
    An der mechanischen oder Wärmeendenergie ändert sich ja nix. Wo soll der ganze Strom !regenerativ! und grundlastfähig herkommen? Kohle? Dann lieber einen effizienten, niedertourigen Diesel.
    Was ist eigentlich elektrische Leistung? P= U×I, weiß jeder. Elektronen arbeiten im Verbraucher gegen eine Gegenkraft. Im Generator muss für die Ladungstrennung dann aber wieder ein Gegenmoment gegen das elektrische Feld aufgebracht werden, die Physik kann man nicht überlisten.
    Also: 2×pi×M×n = U×I
    Strom ist geniale Leistungsübertragung, aber KEIN Primärenergieträger.

    Physikalische Grüße
    Citaro-Fan

    1. Das fiel mir auch sofort auf. Ganz schnelle Rechnung. Deutschland produziert 600TW, also wieviel Prozent sind dann 120TW ?

      und . . . . .. alleine die Serverfarmen werden bis 2025 bei ca. 20-25 TW liegen. Das ist konservativ gerechnet, weil niemand so richtig weiss, was KI und Industrie 4.0 verbrauchen wird.

  3. Der Strom kommt künftig aus Wasserkraft, Windrädern und Solardächern.
    Natürlich muss die Speicherung noch viel zulegen. Vor allem vom Sommer auf den Winter. Da gibt s noch Arbeit für die Technik. Niedertourige Diesel mit Hybridsystem wird man in Landwirtschaft und LKW s auf der Strasse noch eine Weile sehen.

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