Von einem der überlegt, sich ein Elektroauto zu kaufen

Überlegung E-Auto Kauf
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Paul hat ein Problem: Er fährt einen alten Diesel. Er ist auf das Fahrzeug angewiesen, um jeden Tag in die Arbeit zu pendeln – 30 Kilometer hin, 30 Kilometer zurück. Und jetzt diskutiert die Stadt, in der sich sein Arbeitsplatz befindet, darüber, ob sie ein Fahrverbot für Diesel-Fahrzeuge einführen soll. Eigentlich sollte der alte Diesel demnächst durch einen neuen ersetzt werden, aber Paul kann sich nicht mehr sicher sein, ob er damit auch wirklich weiterhin in die Umweltzonen einfahren darf. Denn auch moderne Diesel überschreiten die Grenzwerte für Stickoxide teilweise um ein Vielfaches. Der Stickoxid-Gehalt in der Luft stammt zu etwa 40 Prozent aus dem Straßenverkehr, knapp 80 Prozent davon kommt allein von Diesel-Fahrzeugen.

Stuttgart, München, Düsseldorf, Hamburg – die Liste von Städten, die deshalb Fahrverbote für Diesel diskutieren, ist lang. Und dürfte noch weiter wachsen, hat doch die Deutsche Umwelthilfe neben den bereits 16 laufenden Klagen gegen Städte Ende August angekündigt, in 45 weiteren Städten klagen zu wollen. Hier liege die Luftverschmutzung mindestens zehn Prozent über den Grenzwerten. Und auch die zuständige EU-Kommission hat bereits eine Rüge ausgesprochen, weil in Deutschland die Grenzwerte für Schadstoffe in der Luft nicht eingehalten werden. Da er verunsichert ist überlegt er, sich ein Elektroauto anzuschaffen. So kann er auf Nummer sicher gehen.

Ist ein Elektroauto wirklich “zu teuer”?

Eigentlich ist ihm ein Batterieauto auf den ersten Blick zu teuer. Er hat jedoch gehört, dass die Betriebs- und Wartungskosten eines Elektroautos viel niedriger liegen als bei einem Benziner oder Diesel, und sich die Mehrkosten beim Kauf auf die gesamte Lebenszeit des Stromers amortisieren, vor allem seitdem der Kauf eines Stromers vom Staat mit 4000 Euro bezuschusst wird. Und für die Umwelt möchte er auch etwas tun. Aber kann er sich das auch alles leisten? Soll er vielleicht doch einen Benziner kaufen? Paul überlegt. Und rechnet.

Paul ist ein typischer Durchschnittspendler: Mit seinem Mittelklasse-Diesel legt er im Jahr 15.000 Kilometer zurück. Sieben Liter auf 100 Kilometer verbraucht sein altes Auto im Schnitt, er zahlt allein für den Diesel etwa 1200 Euro pro Jahr. Ein neues Dieselauto wäre etwas sparsamer, würde aber immer noch sechs Liter im Realbetrieb verbrauchen, womit er bei knapp 1050 Euro Kraftstoffkosten im Jahr landet. Ein Benziner kommt für ihn nach kurzer Überlegung nicht in Frage. Paul will sparen. Benziner aber brauchen etwa 20 Prozent mehr Sprit, und der ist auch noch gut 20 Cent pro Liter teurer als Diesel.

Und das Elektroauto? Zwischen 15 und 20 kWh Strom braucht ein Steckerauto je 100 Kilometer, der Jahresverbrauch läge für Paul bei etwa 2500 kWh, womit er beim aktuellen Durchschnittspreis von 29 Cent etwa 725 Euro für den Kraftstoff zahlen müsste. Fast 500 Euro weniger, als das mit dem alten Diesel der Fall ist und mehr als 300 Euro weniger, als er mit einem neuen Diesel zahlen müsste.

Den Preisvorteil findet Paul interessant, aber gäbe es vielleicht noch mehr Einsparpotential? Paul sucht einen günstigeren Stromanbieter, und landet bei einem Anbieter, wo die Kilowattstunde aktuell 26 Cent kostet. Sein Elektroauto würde dann im Jahr nur noch Strom für 650 Euro brauchen – 400 Euro weniger, als mit einem neuen Diesel. Das wären auf zehn Jahre gesehen 4000 Euro. Und wenn der Preis für Diesel-Kraftstoff steigt, wird die Ersparnis umso höher.

Selbst mit Kohlestrom ist das Elektroauto klimafreundlicher als ein Diesel

Aber wenn schon Elektroauto, dann auch Ökostrom, denkt sich Paul. Denn so trägt das Fahrzeug auch maßgeblich zum Klimaschutz bei, und die CO2-Emissionen gehen gegen Null. Da jedoch der Stromer bei der Anschaffung schon mehrere Tausend Euro teurer war als ein Verbrenner, will er hier Geld sparen. Schließlich müsste er seinen ganzen Haushalt auf nachhaltig erzeugte Energie umstellen. Die Mehrkosten würden die kleine Familie mit einem kleinen dreistelligen Betrag im Jahr zusätzlich belasten und die Kraftstoff-Ersparnis zum Diesel wäre dahin.

Aber ist die Ökobilanz eines Elektroautos wirklich so schlecht wie viele sagen, wenn es Strom nach dem aktuellen Drittelmix bezieht? Paul sucht nach Studien und wird fündig: Schon vor einigen Jahren haben Forscher aufgezeigt, dass ein Elektroauto selbst mit dem 2013 geltenden Kohle-Anteil im Strommix sauberer unterwegs waren, als Benziner und Diesel. Und seitdem ist der Anteil der Erneuerbaren im Drittelmix deutlich angestiegen, und mit ihr die Ökobilanz von Elektroautos. In der aktuellsten Studie – sie stammt aus dem Oktober 2017 – zeigen die Forscher auf, dass selbst im „Kohlestromland“ Polen die Energiebilanz eines Elektroautos besser ist als die eines Diesels.

Die Entscheidung für das Elektroauto ist fast schon gefallen, als Paul nochmal über das Thema Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge nachdenkt. Die stehen nämlich wegen der erhöhten und gesundheitsschädlichen Stickoxid-Emissionen in der Kritik. Weltweit seien 40.000 vorzeitige Todesfälle auf schlechte Luft durch Diesel-Abgase zurückzuführen, etwa 11.500 davon entfallen auf die EU. Aber die Gefahr, die von Abgasen ausgeht, ist abstrakt, da unsichtbar – und wird deshalb von vielen verharmlost. Aber gerade Anwohner viel befahrener Stadtstraßen werden dieser abstrakten Gefahr ausgesetzt, Tag für Tag, Jahr für Jahr.

Auch deshalb liebt Paul das Leben auf dem Land. Die gute Luft. Die Ruhe. Und sich keine Sorgen machen müssen über Stickoxide und drohende Gesundheitsschäden. Und er trifft nun endgültig die Entscheidung, dass das nächste Auto ein Elektroauto ist: Gute Luft – da ohne stinkende Abgase. Ruhe – da kein Motorengeheul. So fährt das Auto der Zukunft, findet er, und denkt ganz uneigennützig: Gute Luft. Ruhe. Warum soll Städtern das vorenthalten werden?

Pauls Geschichte steht stellvertretend für viele Autofahrer, die wegen der aktuellen Diskussion um Fahrverbote, CO2-Limits, Stickoxide und Klimawandel verunsichert sind. Und wer auf Nummer Sicher gehen will, dürfte wie auch Paul beim Elektroauto landen. Zumal die Fahrzeuge immer günstiger, die Reichweiten immer höher und die Ladeinfrastruktur immer besser werden. Und schon bald dürften Paul und sein Elektroauto keine Exoten mehr sein – sondern ein Duo von unzähligen mehr in der Mobilität der Zukunft.

3 Kommentare

  1. Der Bericht scheint mir nicht real. Ich arbeite seit 15 Jahren in der Automobilentwicklung und wohne auf dem Land, fahre zur Arbeit 30km pro Tag. Freitags 160km nach Hause, Sonntags wieder 160km zurück. Ich fahre einen Golf 5 2.0 TDI. 5-6L Verbrauch, 10 Jahre alt. Meine Überlegung war einen E-Golf zu kaufen und ich hatte mir auch von VW 2 Wochenenden einen gemietet. Nummer 1; die 160Km (300Km Reichweitenangabe) sind nur unter Einschränkungen zu erreichen – Fahren wie mit einem Verbrenner geht nicht. Preis: Ca. 42.000 Euro mit moderater Ausstattung. Alle Zuschüsse eingerechnet ca. 30.000 Euro. Dafür spare ich dann im Jahr ca. 500 Euro Spritkosten.
    Ich habe mich dagegen entschieden, der Diesel wird gefahren bis er auseinanderfällt die geringeren Unterhaltskosten rechtfertigen keine 5-stellige Summe die für ein E-Auto mehr bezahlt werden muss, die Ladeinfrastruktur ist bei mir auf dem Land sowieso eine Katastrophe.

  2. Die Annahmen der genannten Studie sind geschönt:
    -Das “Kohlestromland Polen” wird mit gerade mal 650 g CO2/kWh angesetzt, Deutschland wird mit 150 g CO2/kWh gerechnet.
    -Die Batterie wird mit nur 13 gCO2/km angesetzt, mit 5 Tonnen auf 100.000 km durchschnittlicher Laufleistung ist man schon bei 50 g CO2/km.
    -Der Diesel wird mit 168 g CO2/km angesetzt, ein sparsamer kommt auf 130 g CO2/km.

    Für Deutschland käme der Diesel auf 173 und das E-Auto auf 166g CO2/km.
    Moderne Euro 6d Diesel stoßen weniger als 80 mg NOx /km aus und Feinstaub ist kein Dieselproblem.
    -Bei 15.000km*0,2 kWh/km ist man bei realistischen 3.000kWh, die einem Dreipersonenhaushalt entsprechen.

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