Leser-Erfahrungsbericht: Hyundai IONIQ Electric

Othmar Wolf

Was mich persönlich immer wieder begeistert ist der Austausch mit euch, meinen Lesern. Dabei ist es schön zu sehen, dass ihr für die Themen Elektromobilität, Elektro- und auch Hybridautos richtig brennt. Daher hat es mich auch gefreut, als mir mein Leser Othmar Wolf seinen Erfahrungsbericht zum Hyundai IONIQ Electric zugesendet hat. Diesen habe ich im Nachhinein für euch eingefügt.

Erfahrungsbericht: Hyundai IONIQ Electric

Nachdem vom neuen elektrischen Hyundai IONIQ so viel Positives berichtet wird, wurde ich ziemlich neugierig. Laut Werksangabe soll eine Reichweite von ca. 250 km möglich sein. Da ich selbst seit einem Jahr einen KIA Soul EV fahre, der mit einer Akkukapazität von 27 kWh eine praktische Reichweite von ca. 170 km hat, der IONIQ dagegen 28 kWh, also nur um eine kWh mehr installiert hat, wollte ich es genau wissen. Am 15.März 2017 bekam ich bei Fa. Lietz, Wieselburg, dankenswerter Weise, einen Leihwagen zum Testen.

Wir, meine Frau Heidi ist ebenfalls begeisterte Elektrofahrerin, planten also eine Fahrt nach Salzburg, ziemlich genau 200 km Autobahnfahrt, gemütliches Tempo, um nicht von vornherein Probleme zu provozieren. Ich habe im Navi als Ziel Airportcenter Salzburg und als Ausweichstationen Vorchdorf McDonalds und Raststation Mondsee eingegeben. Start in Petzenkirchen mit vollem Akku, Ladestand 204 km, Entfernung bis Salzburg 200km laut Navi. Es könnte also knapp werden.

Wir fahren los, auf der Autobahn den Tempomat auf 110 km/h gestellt, damit wir wenigstens die Lkws überholen können. Bis Haag steigt die Autobahn ständig, es wundert daher nicht, dass das Navi dort noch 152 km anzeigt, die Batterieanzeige aber nur mehr 144 km. Nur Mut, wir fahren im selben Tempo weiter, immer die beiden Anzeigen beobachtend.

Inzwischen lernen wir den Fahrassistenten kennen, der selbsttätig die Geschwindigkeit reduziert, wenn wir uns einem vorausfahrenden Fahrzeug nähern. Ebenso den Spurhalteassistenten, der auch mit leichtem Druck Lenkbewegungen durchführt, wenn man den Straßenmarkierungen zu nahe kommt. Ein Test mit losgelassenem Lenkrad ergibt, der Wagen lenkt völlig selbsttätig auch in Kurven, jedoch nach ca. 10 Sekunden ertönt ein Warnton und es erscheint die Anzeige “Lenkrad nicht loslassen” am Display, ansonsten wird der Assistent deaktiviert.

Nächster Kontrollpunkt in Vorchdorf, Navi zeigt 90km an, Batteriestand nur mehr 70 km, es steht für mich fest, Salzburg geht sich nicht mehr aus, denn das Gelände ist bis Mondsee ansteigend. Also programmiere ich das Navi auf Ziel Raststation Mondsee, Entfernung 52 km, Akkuanzeige 62 km, also 10 km “Reserve”. Geschwindigkeit weiterhin 110 km/h. Nach kurzer Zeit müssen wir erkennen, daß diese Reserve schnell schrumpft, in Regau nur mehr 5 km, wir werden auch Mondsee mit diesem Tempo nicht erreichen. Also Geschwindigkeit reduzieren, vorerst auf 100 km/h, mal sehen ob die Reserve konstant bleibt. Leider tut sie das nicht, wir haben zeitweise nur mehr 3 km Reserve. Wir reduzieren also auf 85km/h, damit klettert unser Polster wieder auf 5 km und so erreichen wir auch die Ladestation Mondsee. Einige LkWs überholen uns schon, aber es geht nicht anders, wenn wir nicht auf der Autobahn zum Stehen kommen wollen.

In Mondsee stecken wir das CCS Ladekabel an, Ladekarte am RFID Display vorbeiziehen und die Ladung startet. Super, dachten wir und nachdem es bereits Mittag war, gingen wir gleich ins Restaurant essen. Mit meinem Fliegerfreund, den ich in Salzburg treffen will, vereinbare ich einen neuen Treffpunkt und zwar Hotel Kaiserhof in Anif, ein bekannter E-Fahrertreff mit Smatrics Triplelader und 6 Tesla Supercharger. Die größere Entfernung spielt jetzt keine Rolle mehr, da wir ja in wenigen Minuten wieder volle Akkus haben werden, dachten wir.

Doch als wir zum Auto kamen, hatten wir nur mickrige 28% Ladezustand, der Ladevorgang war mittendrin unterbrochen worden! Wir versuchten also erneutes Anstecken, identifizieren mit Ladekarte, Ladung startet erneut. Wir blieben diesmal im Fahrzeug sitzen, immer die Anzeigen beobachtend. Nach einigen Minuten hatten wir 80km an der Anzeige, Entfernung zum Kaiserhof sind 48km, also fuhren wir los. Da es nun fast durchwegs fallendes Gelände bis Salzburg gab, stellten wir den Tempomat auf 120km/h und erreichten unser Ziel locker mit 43 Rest-km.

Am Kaiserhof wieder am Triplelader angesteckt, neben uns ein älteres Ehepaar mit einem elektrischen Mercedes, die uns erzählten, dass sie schon seit 5 Jahren Elektroautos fahren. Mein Freund hat uns schon erwartet und begutachtet natürlich wohlwollend unser Auto, er selbst hat ja einen Tesla Model 3 bestellt.

Zum Fachsimpeln setzen wir uns ins Gastzimmer. Der Chef dort ist selbst begeisterter Elektrofahrer und Besitzer eines 750 PS Tesla. Zwischendurch kontrolliere ich sicherheitshalber die Ladestation, leider ist wieder die Ladung bei 30% unterbrochen worden. Also wieder neu anstecken, beobachten, diesmal scheint es zu klappen. Bei 94 % ist wieder Schluss und kann auch mit dem CCS Stecker nicht wieder gestartet werden. Ich versuche es daher mit dem 43 kW Typ2 Stecker und das klappt dann auch bis 100%.

Die Heimfahrt verspricht nun spannend zu werden. Laut Navi sind bis nach Hause 213 km zu fahren, die Akkuanzeige gibt uns aber nur fahrbare 200 km. Das klingt nicht gut, aber aus meiner Erfahrung mit dem KIA weiß ich, dass die Rückfahrt Richtung Osten wegen Rückenwind und fallendem Gelände wesentlich stromsparender ist als die Hinfahrt. Ja, bei einem Elektrofahrzeug spielen solche Umstände eine beachtliche Rolle!

Daher plane ich am Navi direkt Petzenkirchen, ich bin zuversichtlich. Um dem Auto etwas entgegenzukommen stellen wir den Tempomat diesmal nur auf 100km/h, auch die Heizung ist nicht mehr notwendig, da wir bereits 14°C Außentemperatur haben und das Auto die ganze Zeit in der Sonne gestanden ist. Also lauter günstige Parameter.

In Mondsee ist unser „negativer Polster“ bereits auf -2km gesunken und ab Regau bewegen wir uns bereits im positiven Bereich, das heißt die Akkuanzeige ist bereits größer als die Entfernung am Navi. Diese Tendenz bleibt auch weiterhin gleich, in Strengberg haben wir +15km und daheim in Petzenkirchen kommen wir mit einem Reststand von 20km an.

Mein Fazit: Der IONIQ wartet tatsächlich mit erstaunlichen Fahrleistungen auf, obwohl die Akkukapazität mit 28 kWh nicht übermäßig hoch erscheint. Die versprochenen Reichweiten von über 200 km sind tatsächlich erreichbar, allerdings nur mit mäßigen Geschwindigkeiten, bei Fahrten abseits der Autobahnen auf jeden Fall. Die technischen Raffinessen erfordern etwas Einarbeitung, ein Studium des Handbuchs vor der Fahrt ist empfehlenswert. Ich musste das während der Fahrt machen, gut dass meine Frau die Eigenarten des neuen Elektroautos intuitiv sofort handeln konnte. Positiv empfanden wir das Platzangebot, die Größe des Kofferraums und die Kopffreiheit auf den hinteren Sitzen, trotz des nach unten gezogenen Hecks des Fahrzeugs. Negativ ist für mich nur die hässliche Frontpartie, die an ein Plastik- Legoauto erinnert.

Allgemein: Ganz wichtig für längere Ausfahrten ist eine detaillierte Routenplanung mit Ausweich- Ladestationen, denn die Lader sind gelegentlich auch außer Betrieb. Die nötigen Informationen hiezu findet man auf www.goingelectric.de/stromtankstellen.

2 Kommentare

  1. Danke für diesen informativen Bericht über den Ioniq elektro. Nur zur Info: das Batteriemanagement ist so eingestellt, dass am CCS-Schnelllader der Akku nur bis maximal 94% geladen wird, damit er geschont wird und lange hält. Dieses Feature ist sehr nützlich. Am Typ 2 Stecker ladet er leider nur mit einer Phase, dafür erheblich langsamer (ich meine mit max. 6,6 kWh) und kann bis 100% geladen werden. Dass die Ladung manchmal abbricht, liegt vielleicht nicht am Fahrzeug sondern eventuell an der Ladesäule. Ich bin mit meinem Ioniq mit einer Ladung bei warmen Temperaturen schon über 230 km ohne Probleme gefahren. Allerdings Landstraße ohne Klima mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von ca. 70 km/h.

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