Elektroauto 2027: Erinnerungen an die Zukunft

Bugatti Kekos – mit unglaublichen 2500PS das mit Abstand stärkste E-Fahrzeug des Jahres 2027 – aber auch nicht ganz billig | fotolia.com © lessedesignen

Das gerade angebrochene Autojahr 2017 hält für die Hybrid- und Elektrofraktion immer noch keine wirkliche Beruhigung in Aussicht. Klar, Tesla und Panasonic verkündeten erst jüngst, in der Wüste von Nevada eine Mega-Batteriefabrik errichten zu wollen. Und was auf der CES 2017 zu sehen ist, lässt die Herzen von jedem elektrobegeisterten Autofan höherschlagen.

Aber es gibt eben auch hässliche Misstöne in dieser Symphonie. Etwa dass China – der vielleicht größte Entwicklungsmarkt für Elektromobilität – die E-Auto Subventionen rigoros zusammenstreichen will. Und hierzulande fanden erst 9.023 Käufer dank Umweltbonus zur saubereren Mobilität, was dem 600 Millionen Euro Projekt nicht einmal drei Prozent seines Gesamtgewichts abnimmt.

Doch so ungewiss die Zukunft vielleicht jetzt noch aussieht, in zehn Jahren werden wir mit einem Lächeln auf diese Zeit zurückblicken. Denn dann sieht es auf den Straßen wesentlich elektrischer aus – wie und warum erklären wir auf den folgenden Zeilen in Form eines hypothetischen Rückblicks, der größtenteils auf tatsächlichen Entwicklungen beruht.

Danke, Elon

Rückblickend muss man dem mittlerweile 55 jähigen, leicht ergrauten Elon Musk beinahe auf Knien danken. Denn er war es, der Elektroautos attraktiv machte und unerbittlich seiner Agenda folgte – egal was alle Kritiker sagten. Und als das erreicht war, brachte er 2020 das Model 4 – und räumte damit die Golfklasse gewaltig auf. Vor allem durch den Preis. 22.000 Euro für ein gut ausgestattetes Basismodell – da konnten weder Golf-Mutter VW noch die asiatischen Volumenhersteller etwas entgegensetzen.

Die Front des Model X-3 nimmt viele Anleihen beim Model-X – nachdem das Gesicht des Tesla X-2 nicht viele Freunde hatte. | fotolia.com © Ladysuzi

Allerdings war das Model-4 auch bitter nötig, denn nach jahrelangen Verlustgeschäften stand Tesla 2019 kurz vor der Pleite. Apple scharrte in den Startlöchern schon mit den Hufen, um die Firma zu übernehmen. Dass es nicht so kam, war allerdings nicht nur Musks Geniestreich zu verdanken, sondern vor allem der Apple-Führungsetage. Die entschied sich statt für den Kauf für eine gigantische Kooperation. Und ermöglichte somit iPhone-Jüngern weltweit neben Handy und Tablet auch noch das dazu passende Auto. Mittlerweile besteht die Tesla-Palette aus:

  • Model 5 – einem Kleinwagen auf Polo-Niveau
  • Take-It – der Nachfolger des 4 für die Golf-Klasse
  • Model X-3 – eine SUV-Kombi-Limousine
  • Corsair – ein reinrassiger Sportwagen, der im Corvette-Markt wildert
  • Calutron – eine Limousine der oberen Mittelklasse
  • Nikola – eine High-End Oberklasselimousine zu Ehren vom Firmen-namensgebendem Patron Nikola Tesla.

Mit der jüngsten Entwicklung peilt Tesla die unendlichen Weiten des Amerikas zwischen den Küsten an. Dort nämlich machen Pickups wie der Ford F-150  seit nunmehr 50 Jahren die meistverkauften Autos des Landes aus. Das soll die Studie Ranch-Hand ändern, die auf der 2026er Tokyo-Motorshow erstmalig präsentiert wurde – ein Fullsize-Truck wie ihn Amerika liebt und gleichzeitig im Falle einer Serienfertigung der E-PKW mit der bislang höchsten Zuladung von satten 2,5 Tonnen und dank Multiflex-Getriebe (das erste Getriebe überhaupt in einem Elektrofahrzeug) in der Lage, stattliche acht Tonnen zu ziehen.

Schon ließ Daimler, die bereits vor zehn Jahren einen Elektro-Laster planten, verlauten, dass man an dem von ZF entwickelten Getriebe starkes Interesse habe, um endlich die welterste rein-elektrische Sattelzugmaschine bauen zu können.  

Nicht ohne China

Auch wenn es sich der ehemalige US-Präsident Trump mit China fast verscherzt hätte, sind die Zeiten von Strafzöllen und militärischem Säbelrasseln glücklicherweise vorbei. Zu verdanken ist es einer Entwicklung. 2021 schafften es die Forscher des Shezhen Institute of Advanced Technology, den Aluminium-Grafit-Ionen-Akku (AGIA) serienreif zu bekommen. In einer einzigartigen Geste bot Chinas Regierung der UN an, die Idee gegen die Zahlung von einem US-Dollar pro gefertigter Batteriezelle quasi-gemeinfrei zu machen. Da mittlerweile nicht nur sämtliche Elektroautos, sondern auch praktisch jede andere Batterie nach diesem Prinzip funktioniert, machten die Chinesen damit das Geschäft ihres Lebens.

Und ehrlich gesagt war es der AGIA, der den Siegeszug des Elektroautos einläutete – vielleicht mit etwas Hilfe durch den explodierenden Ölpreis. Die aktuelle Generation des Smart beispielsweise ist zwischen 25 und 30 Sekunden vollgeladen – selbst bei Großakkus wie in Lexus Flaggschiff Imperator, das aus der noch mit Brennstoffzelle geplanten Studie LF-FC hervorging, dauert der Ladevorgang keine Minute. Das, in Kombinationen mit selbst winterlichen Reichweiten von mindestens 600 Kilometern, machte eines der typischsten Kritiker-Argumente mit einem Schlag wertlos.

Allerdings, der AGIA ist nicht nur wegen seiner kurzen Ladedauer mittlerweile für die Elektrofahrzeugwelt unentbehrlich, sondern auch für die ganzen Helferlein.

Endlich entspannt in Urlaub

Vor zehn Jahren polterte es noch im Gesetzeskeller –über selbstfahrende Autos und deren Gesetzmäßigkeiten gab es unzählige Querelen. Heute, 2027, scheint diese Zeit wie ein schlechter Traum. Denn nachdem der Kartendienst Here aus der Allianz von Intel, Audi, BMW und Daimler zu dem Bollwerk gegen Google geworden war, verschwanden die Probleme autonomen Fahrens praktisch über Nacht – allerdings nur in Europa sowie Nordamerika. Möglich machen das:

  • Die 24 Satelliten der Deimos-Serie, die bei jedem Wetter jedem Auto zentimetergenaue Lagedaten liefern – völlig anonymisiert.
  • Die Gesetzesbeschlüsse vieler Länder, nachdem bei einem Unfall im autonomen Modus zu einer Hälfte die eigene Versicherung haftet (nicht wie früher die des Unfallgegners) und zur anderen Hälfte der Autohersteller – vor allem das sorgte für einen gigantischen Entwicklungsschub, weil kein Hersteller haften will.
  • Die Entwicklung des WideView – ein Multifunktionsglas, das die Autoscheiben rundum nicht nur zur gigantischen Augmented-Reality-Brille macht, sondern auch nach Belieben als Bildschirm fungiert, über den man surfen oder Filme schauen kann.

Gleichzeitig wurden bestehende Gesetze vielerorts erweitert. In Deutschland wurden die Verhaltensregeln nach einem Unfall dadurch ergänzt, dass bei einem Crash im autonomen Modus das Auto nun zwingend und automatisiert die Polizei verständigen muss – allerdings kam das hierzulande durch die hochentwickelte Sensorik nur ganze dreimal vor, wobei jedes Mal Marderbiss die Sensorkabel demoliert hatte.

Familien lieben autonomes Fahren – kaum ein Family-Van, der heute noch ohne drehbare Frontsitze auskommt, um mit den Kids zu plaudern. | fotolia.com © chesky

Gleichsam ging auch die Akzeptanz fürs Selberfahren zurück. Und das wiederum ist Audi schuld. Der Hersteller brachte für seinen S3-E-Power „Röhrl Edition“ nämlich 2024 den Rallye-Modus, bei dem das Fahrzeug auf Knopfdruck im absoluten Limitbereich über Serpentinen und Landstraßen huscht – sicherer als es jeder menschliche Fahrer vermag. Die sportliche Fraktion griff begeistert zu –mittlerweile hat autonomes Fahren nur bei denjenigen keine Bedeutung, deren Chef nicht die Pendelzeit auf die Arbeitszeit aufrechnet und es so ermöglicht, morgens und abends im Auto zu arbeiten und weniger im Büro zu sein.

Merkels Abschiedsgeschenk

2021 war nicht nur wegen des AGIA ein Schicksalsjahr. In diesem Jahr ging die „ewige Bundeskanzlerin“ Merkel nach 16 Jahren im Amt in den Ruhestand. Gut, ihre letzte Amtszeit hatte nur eine Koalition aus CDU, SPD und Grünen möglich gemacht – auch als „Afghanistan-Koalition“ nach der Flaggenfarbe bespöttelt. Aber nachdem die von der Bundesregierung ausgegebene Agenda, bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf die Straße zu bringen, gescheitert war, war es Merkel, die – rückblickend vielleicht nicht ganz basisdemokratisch – dem Elektroauto in Deutschland den gewaltigen Tritt gab, den es benötigte:

  • Ein Gesetz, das es verbot, verbrennungsmotorbetriebene Fahrzeuge über 15 Jahre erneut anzumelden.
  • Der „Hybridzwang“, nachdem jedes Neuwagenmodell mindestens ein Mild-Hybrid sein muss.
  • Die Wiedereinführung einer gesonderten Mineralölsteuer ohne Aufteilung von Diesel, Gas und Benzin, die für alle nicht-gewerblich genutzten Fahrzeuge den Kraftstoffpreis auf stattliche 4,80 trieb.
  • Der Zwang für Stromanbieter, vergünstige Ladestromtarife anzubieten, die umgerechnet einem Benzinpreis von 20cent/l entsprachen.

Das Volk tobte, die Bildzeitung titelte „DIE AUTO-APOKALYPSE“. Im Endeffekt belastete es jedoch kaum jemanden über Gebühr – und es nahm den Grünen gleichzeitig den Wind aus den Segeln, die in der Koalition immer stärker darauf gepocht hatten, ab 2030 den Verkauf von Verbrennungsfahrzeugen zu verbieten– das ist jetzt vom Tisch, da sowieso kaum ein Privatmensch diese überteuerten Vehikel will. Selbst bei gewerblichen Fahrzeugen dominiert mittlerweile der Elektromotor – weil er so billig zu betreiben ist.

Energiewende, here we go

Vor zehn Jahren sahen viele die Zukunft düster. Die Energiewende steckte fest. Dass die Bundesregierung beschlossen hatte, künftig die Höhe der Einspeisevergütung über Auktionen zu ermitteln – nicht wie bislang festgelegt – hatte hohen Anteil an diesem Pessimismus. Dass es dennoch gelang, ist ein Verdienst der Grünen. Die nutzten Ihre Koalitions-Position aus, um Nägel mit Köpfen zu machen:

  • Jedes Dach, das in Deutschland errichtet oder neu gedeckt wird, muss mit Solarplatten bedeckt werden – bis 2025 staatlich subventioniert.
  • Jede Minute, die E-Autos tagsüber an der Steckdose hängen und somit als Strompuffer der Überproduktion fungieren, wird dem Besitzer durch eine Sekunde, der aufs Jahr hochgerechneten und in einzelne Sekunden aufgeteilten Kfz-Steuer erlassen.
  • Die Batterie- und Autohersteller sind verpflichtet, Autobatterien, deren Leistung für die Straße zu gering geworden ist, unentgeltlich für fünf Jahre dem Umweltministerium für seine „Pufferfarmen“ in Mecklenburg, der Eifel und Bayern zur Verfügung zu stellen und danach zu recyceln.

Natürlich mussten die Steuerausfälle durch den wegbrechenden Mineralölverkauf sowie die Erleichterungen der Puffer-Fahrzeug-Rückzahlungen kompensiert werden. Die zwölfprozentige Sondersteuer auf Reifen gepaart mit der PKW-Maut, die in ihrer ursprünglich geplanten Form 2023 nach vielen Querelen, die Österreich mit anderen BRD-Anrainern angestoßen hatte, von der EU gekippt worden war, schaffen dies bislang jedoch vergleichsweise gut – wenngleich die Autofahrer sich auch heute noch über die Straßenzustände beschweren.

Allein schon der Zwang, jedes neue Dach vollstöndig zu „solarifizieren“ deckte fast den gesamten Stromverbrauch des Landes. | fotolia.com © Jürgen Fälchle

Dennoch kann man jetzt, wo in Deutschland fünf Jahre nach dem Abschalten der letzten Atomkraftwerke Isar-2, Emsland und Neckarwestheim-2 immer noch alle Lichter brennen und der Stromverbrauch so hoch ist wie nie, durchaus sagen – es hat geklappt. Nächstes Ziel, 2029 das letzte Kohlekraftwerk abschalten. Aber das sollten wir auch hinbekommen – jetzt, wo die dünnste Solarzelle der Welt serienreif ist und ab 2028 auf jedem Autodach, jedem LKW-Anhänger und jedem Bus mitfahren wird. Ja, hoher Stromverbrauch hat sein schlechtes Image definitiv verloren – gut so, denn dadurch müssen selbst Fahrer des 2500PS-starken Kekos von Bugatti kein schlechtes Gewissen mehr haben, wenn sie aufs Gas, pardon, Beschleunigerpedal treten.

Fazit – Elektroauto 2027

Manchmal mag die Zukunft der Elektromobilität düster oder neblig wirken – doch sie ist es nicht. Über kurz oder lang wird sich das Elektroauto durchsetzen. Nicht nur der Vernunft wegen, sondern weil es sehr viel mehr bietet, als jedes „normale“ Auto bringen kann. Diese Einsicht wird sich durchsetzen und mit etwas staatlicher Hilfe auch etablieren können. Nur Mut, die Zukunft wird elektrisch.

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